Deutschlands Brauer fürchten die Münchner Kumpanei

Von Hermann Bößenecker

Manche Amerikaner wundern sich, daß es im Münchner Hofbräuhaus kein Löwenbräu-Bier gibt. Denn wie das Hofbräuhaus als Synonym für deutsche Gemütlichkeit gilt, so steht Löwenbräu in den USA weithin für bayerisches, sogar für deutsches Bier. Münchner Bierstrategen sehen darin den schlagenden Beweis für ihre Berufung zu nationaler Geltung. Bei allen Konzentrationsbestrebungen, die in der bajuwarischen Biermetropole heute mit ebensoviel Eifer betrieben werden wie in Dortmund und im übrigen westdeutschen Raum, hat die Frage der Marke Vorrang. „Löwenbräu und Paulaner sind gewiß jede für sich bekannter als der Begriff Münchner Bier schlechthin“, erkannte ein bayerischer Banker bekümmert.

Dabei wäre ein solcher „gemeinsamer Nenner“ am Bierfaß durchaus von Vorteil. Denn die Bayern, die sich lange Zeit darauf beschränkt hatten, „ausländische“ Übergriffe auf den heimischen Biermarkt abzuwehren, wollen nun selber zur Offensive übergehen und aktiv in den Kampf um den deutschen Biermarkt eingreifen. Solange sie getrennt marschieren, können sie aber nicht vereint schlagen – vor allem nicht, wenn es sich um Gegner wie Reemtsma und Oetker handelt, denen als Fernziel die nationale Biermarke vorschwebt. Deshalb müssen erst einmal die eigenen Reihen neu geordnet werden. Dabei läßt sich die Stärke der Münchner nicht allein in Hektolitern messen. Münchens Sudstätten mit ihrem wertvollen Grundbesitz sind vielmehr im wahrsten Sinne des Wortes im bayerischen Boden verwurzelt.

Während vor einigen Jahren noch niemand zu prophezeien wagte, wie sich dieGewichte zwischen den sieben Münchner Großbrauereien später einmal verteilen werden und wer mit wem auf längere Sicht zusammengehen wird, zeichnet, sich heute bereits deutlich ab, „wohin in Deutschlands heimlicher Hauptstadt die Fässer rollen“.

Den Anfang machte die Bayerische Vereinsbank, als sie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (unter Börsianern kurz Hypo genannt) bei der Pschorrbräu AG vom schönsten Platz an der Theke verdrängte. Die Vereinsbank kaufte sich bei Pschorr (von der Kukident-Werbung her als die Brauerei bekannt, die ein Gebißträger nicht anders als Porsch bezeichnen kann) 1965 zu hohen Kursen mit einer Sperrminorität ein. Noch vor dem 150jährigen Pschorr-Jubiläum im Oktober 1970 kam sie dann, nachdem sich die meisten Familienmitglieder als verkaufswillig gezeigt hatten, auf über 80 Prozent. Dabei dürfte ein Kurs von mehr als 1400 Prozent gezahlt worden sein.

Auf goldenem Boden