Intendantenwahl beim Westdeutschen Rundfunk

Von Nina Grunenberg

Von den Heiterkeitsausbrüchen der Kollegen hört Werner Höfer schon die Sendeanstalten von der Isar bis zur Schlei widerhallen. Sicherlich wurde selten absurdes Theater en suite so gut gespielt wie zur Zeit bei der Suche nach einem Intendanten für den Westdeutschen Rundfunk. Aber den Kölnern ist „der Spaß an d’r Freud’“ genommen. Schon seit einem Jahr warten sie auf eine Entscheidung der Politiker in den WDR-Aufsichtsgremien. Noch jedesmal, wenn ein Termin für die Wahl anberaumt worden war, waren die Politiker in selbstvergessene Proporztüfteleien versunken, für die sich als letzte Erklärung nur reine Wollust oder vollständige Bewegungslähmung anboten.

Als sie sich dann endlich am letzten Freitag zur Aktion entschlossen und ihren Kandidaten benannten, bemerkte nicht nur das Publikum, sondern bemerkten auch die Polit-Regisseure, daß einer von ihnen die Besetzungsliste des Stückes kurz vor dem Schlußakt noch geändert hatte.

Bis dahin hatten noch zwei Kandidaten auf der Bühne gestanden: Klaus von Bismarck, der bisherige Chef des Hauses, und Werner Höfer, der Gastgeber des „Frühschoppens“ und Direktor des Dritten Programms im WDR-Fernsehen. Als sich die SPD nun entschloß, als neuen Intendanten und „beste der schlechtesten Lösungen“ den alten noch einmal vorzuschlagen, nämlich Klaus von Bismarck, brachte die CDU noch einen Joker auf die Bühne: ihr offizieller Kandidat ist seit neuestem Professor Paul Mikat, der ehemalige Kultusminister von Nordrhein-Westfalen und jetzige Justitiar der CDU-Fraktion im Bundestag.

Ob Mikat sich am 22. Januar, dem Wahltermin, als Genie-Blitz entpuppen wird oder nur als Schrittmacher für Werner Höfer, den er angeblich als Fachmann bevorzugt, gehört zu den vielen Spekulationen, mit denen sich das Kollegenpublikum schon seit Monaten schadenfroh amüsiert.

Den beiden Kandidaten aus dem Hause des WDR mußte diese Entwicklung neuen Stoff zum Nachdenken darüber geben, ob sie vielleicht nicht doch im falschen Spiel aufgetreten sind. Denn ursprünglich sollte das Stück nicht „Der Kuhhandel“ heißen, sondern vielmehr „Der beste Mann“.