Knapp 100 000 Arbeitnehmer in der Bundesrepublik haben von der nächsten Rezession – und mag sie noch so viele Arbeitslose kosten – garantiert nichts zu befürchten. Ihr Einkommen ist ihnen nämlich sicher.

So viel Berufstätige sind es inzwischen – und es werden immer mehr, die ihren Platz vor der Werkbank oder hinter dem Schreibtisch mit der Schulbank eintauschen und sich auf Staatskosten für ihre berufliche Karriere weiterbilden.

Die Möglichkeit dazu bietet das seit dem 1. Juli 1969 wirksame Arbeitsförderungsgesetz (AFG). Danach kann jeder, der sich beruflich fortbilden will, bis zu zwei Jahren seinen Arbeitsplatz aufgeben, ohne auf sein Einkommen verzichten zu müssen. Die Voraussetzung: Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine entsprechende Berufserfahrung – am besten beides – muß der Antragsteller nachweisen können.

Die Konzeption dieses Gesetzes – es ist wohl eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Gesetze der letzten Jahre – ist dem ehemaligen CDU-Arbeitsminister Hans Katzer zu verdanken. Als bei der letzten Rezession, 1966/67 einige hunderttausend Arbeitskräfte auf der Straße standen, stellte er eine simple Kalkulation an: „10 000 Arbeitslose“, so errechnete er, „kosten die Bundesanstalt etwa 60 Millionen Mark im Jahr. Wenn es gelingt, diesen 10 000 Arbeitnehmern durch rechtzeitige Anpassungsmaßnahmen ihre Arbeitsplätze zu sichern, dann verdienen sie 100 Millionen Mark und zahlen davon Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Sozialversicherung sowie Steuern von etwa 30 Millionen Mark.“

Zudem soll das Arbeitsförderungsgesetz auch dem immer schneller werdenden wirtschaftlichen und technologischen Strukturwandel Rechnung tragen. Das Forschungsinstitut der Bundesanstalt für Arbeit hat an Hand von 86 technischen Neuerungen aus den letzten drei Jahrhunderten untersucht, wie groß die sogenannte Innovationsphase – das ist die Zeitspanne zwischen einer Erfindung, ihrem wirtschaftlichen Durchbruch und Auftreten eines entsprechend neuen Berufes – ist. Dabei stellte sich heraus, daß bei 48 Prozent der Fälle diese Innovationsperiode zwischen ein bis zehn Jahren beträgt und laufend abnimmt.

Katzer hatte keine große Mühe, dieses Gesetz im Bundestag durchzubringen. Nach Paragraph 43 gibt es für jeden Arbeitnehmer Geld aus der Staatskasse, wenn er eines der folgenden Ziele erreichen will:

  • beruflichen Aufstieg;
  • Anpassung der Kenntnisse an gestiegene berufliche Anforderungen;
  • Eintritt oder Wiedereintritt weiblicher Arbeitsuchender in das Berufsleben;
  • Wiedereingliederung älterer Arbeitsuchender in das Berufsleben.