Als der Milliardär in das Spielerparadies Las Vegas im amerikanischen Bundesstaat Nevada kam, atmeten die Bürger auf. Sie feierten Howard Hughes, der mit zwei Milliarden Dollar Vermögen einer der reichsten Männer der Welt ist – mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar der reichste mit als Befreier: Seine Dollars und seine harten Burschen sollten die Spielhöllen des Wüstenstädtchens von der Mafia befreien.

Als der Milliardär nach vier Jahren aus Las Vegas verschwand, sah es so aus, als wäre er selbst ein Opfer von Gangstern geworden. Die Leibwachen vor seiner Tür bemerkten sein Verschwinden nicht, seine rechte Hand in Las Vegas, Robert Maheu, wußte nichts und sprach von kidnapping; Hughes’ Anwalt, Tom Bell, wußte nichts und stellte die „interessante Frage“, ob der Milliardär überhaupt noch am Leben sei.

Mehr als die Herren in Las Vegas wußten die eilends aus Houston angereisten Direktoren der Hughes Tool Co. – dem Kern des Hughes-Imperiums. Sie präsentierten eine von Howard Hughes unterschriebene Notiz: Die Las-Vegas-Manager sind gefeuert, die Kontrolle über die Unternehmen in Nevada (Wert: über eine Milliarde Mark) wird von den Managern aus Houston übernommen. Hughes’ Verschwinden war demnach kein Gangsterstück.

Doch Maheu (zwei Millionen Mark Jahressalär) und sein Anhang meuterten gegen den Befehl ihres unsichtbaren Herrn. Sie zogen vor Gericht, um zu beweisen, daß der Milliardär entführt worden sei, daß er zu krank sei, um eine Reise lebend zu überstehen, daß die Unterschrift auf der Notiz gefälscht wäre. Die Geschichte entwickelte sich zu einem international publizierten Skandal, und zum erstenmal erfuhren Außenstehende, wie Howard Hughes sein Imperium dirigiert, wie seine Geschäfte gehen und wer seine mächtigen Statthalter sind.

Der Milliardär aber ließ sich nicht blicken. Er versuchte die Situation mit einem Telephongespräch zu klären. Das Telephon klingelte nach Mitternacht bei Paul Laxalt, Gouverneur von Nevada – Howard Hughes meldete sich von den Bahamas: Er sei gesund; er sei bald zurück in Las Vegas und Maheu und seine Leute seien tatsächlich von ihm entlassen. Der Gouverneur hat Howard Hughes noch nie gesehen, aber er war zuvor schon von Hughes angerufen worden, und er war sicher, auch diesmal mit dem Milliardär gesprochen zu haben.

Das letzte Wort hatte schließlich Richter Babcock. Und er entschied, trotz widersprüchlicher Gutachten, daß die Unterschrift unter der umstrittenen Notiz nicht gefälscht sei. Der Rest der Geschichte, so der Richter, ginge das

nichts an. Diese Art, den Schlußstrich unter ein Geschäft zu ziehen, ist typisch für Howard Hughes. Seit über einem Jahrzehnt (die letzte Photographie wurde 1957 gemacht) lebt der 65jährige Milliardär von der Außenwelt praktisch abgeschlossen – die letzten vier Jahre verbrachte er im hermetisch verriegelten 9. Stockwerk des Hotel-Kasinos „Desert Inn“ in Las Vegas. Der jetzt gefeuerte Robert Maheu hatte 14 Jahre für Hughes gearbeitet, ohne ihn jemals zu sehen – er bekam telephonische Anweisungen und auf Zettel gekritzelte Befehle.