Die einzigen Männer, die Hughes manchmal sahen, gehören zur sogenannten Mafia der Mormonen – sechs sehr einflußreiche Männer, die gleichzeitig als Köche, Ratgeber, Leibwächter, Diener und Kontaktpersonen zur Außenwelt fungierten. Man nennt sie Mormonen, weil sie nicht rauchen, nicht trinken, keine Frauen haben und keine liberalen Gedanken hegen (Hughes ist ein konservativer Superpatriot). Diese Männer wissen als einzige mit Sicherheit, ob Hughes noch lebt und ob er sich tatsächlich auf die Bahamas in das Britannia Beach Hotel auf Paradise Island zurückgezogen hat.

Wohlauf und gesund aber ist der Hypochonder schon lange nicht mehr: Schon seit Jahren hat er eine panische Angst vor Bazillen, er ist fast taub und leidet an Leukämie. Mit seiner zweiten Frau, dem ehemaligen Hollywood-Star Jean Peters ("Drei Münzen im Brunnen") hat er jeden Kontakt abgebrochen – die Scheidung läuft seit Jahren.

Howard Hughes lebte nicht immer in völliger Isolation – im Gegenteil: er ließ sich nach einem Rekordflug um die Welt (mit einem Spezialflugzeug, das von seiner Hughes Aircraft Co. gebaut worden war) im Triumphzug. über den Broadway fahren. Er wurde stürmischer gefeiert als Charles Lindbergh. Seine beiden großen Leidenschaften (neben dem Geld) waren Frauen und Flugzeuge – diese Leidenschaften sorgten für Schlagzeilen.

Seine Leidenschaft für schöne Frauen führte Hughes, gerade mündig geworden, nach Hollywood. In den zwanziger Jahren produzierte er erst eine Reihe von Filmen, die Fehlschlage wurden, dann folgten einige Filme, die weltberühmt wurden. Er machte Stars wie Jean Harlow und Jane Russell. Er selbst brüstete sich, 200 Jungfrauen in Hollywood defloriert zu haben – Kommentar von "Time-Magazin": "Das Wunder war, daß er so viele fand."

Als Pilot flog er 1935 einen Geschwindigkeits-Weltrekord mit einem selbstentworfenen Flugzeug. Als Flugzeugverkäufer aber hatte er eine weniger glückliche Hand. Die größte Flugzeugpleite der amerikanischen Geschichte wurde unter Hughes’ Regie im Zweiten Weltkrieg konstruiert. Ein Flugboot aus Sperrholz und mit acht Motoren. Das fliegende Ungetüm (nur wenig kürzer als ein Jumbo-Jet) kam nie zum Einsatz. 1947 stürzte der Milliardär mit einen Aufklärungsflugzeug – wiederum selbst entworfen – ab und wurde schwer verletzt geborgen.

Als Unternehmer hat sich Hughes niemals besonders ausgezeichnet – er läßt seine Unternehmen von Managern außergewöhnlich selbständig führen. Allerdings wurde jetzt deutlich, daß die Männer an den Schalthebeln alte Vertraute des Milliardärs sind. Diese Mächtigen sind die Chefs der Hughes Tool Co., die jetzt auch die Kontrolle der Nevada-Geschäfte übernommen haben. Schwerpunkte des Industrieimperiums sind die Produktion von Ausrüstungen für Ölbohrungen – ursprünglich eh Hughes-Monopol, das heute auf einen Marktanteil von gut zwei Dritteln, zurückgegangen ist – sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie: Der erste "Early Bird"-Weltraumsatellit wurde von Hughes Aircraft konstruiert, und auch das Weltraumschiff "Surveyor", das die ersten Bilder vom Mond zur Erde funkte, wurde in Hughes’ Reich gebaut. Daneben gehören Ufern Milliardär eine Fluggesellschaft (Hughes Air West), sowie Fernsehproduktionsgesellschaften und Fernsehstationen. Die Hughes Aircraft Co. (900 Millionen Dollar Jahresumsatz) bringt Howard Hughes nichts mehr ein. Die Gewinne des Unternehmens gehen an eine Stiftung für medizinische Forschung – das Howard Hughes Medical Institute. Stiftung und Unternehmen aber haben als Treuhänder Howard Hughes.

Als Chef der Fluggesellschaft TWA hatte Hughes Pech. Er wurde als erster Manager der USA wegen schlechter Geschäftsführung verklagt. Die Sache ist bis heute noch nicht entschieden. Als er dann 1966 seine TWA-Aktien überraschend verkaufte, wurde der höchste Scheck der Finanzgeschichte fällig: Hughes kassierte 546 Millionen Dollar.