Südafrika – obwohl auf Grund seiner Rassenpolitik seit zehn Jahren kein Mitglied mehr – wird im Mittelpunkt der Commonwealth-Konferenz stehen, die am 14. Januar in Singapur eröffnet wurde. Der Entschluß der konservativen britischen Regierung Heath, wieder Waffen an Südafrika zu liefern, ist auf fast einhellige Ablehnung der farbigen Mitgliedstaaten des Commonwealth gestoßen. (Ihm gehören außer den auf der Karte verzeichneten Ländern noch weitere 18 Inselstaaten bzw. abhängige Gebiete an.) Unter dem Eindruck der Streitigkeiten sagen Pessimisten sogar den Untergang des Commonwealth voraus.

Doch soweit dürfte es jedoch nicht kommen. Der lockere, nur durch gleiches Recht (mit Ausnahmen), gleiche Sprache, Gewohnheiten sowie durch geschichtliche Bande zusammengehaltene Bund der ehemaligen Kolonien Englands wird weiter bestehen, wenn auch in noch unverbindlicherer Form als bisher. Es geht, wie Heath nachdrücklich hervorgehoben hat, darum, daß jedes Land das Recht habe, im wohlverstandenen eigenen nationalen Interesse Entscheidungen zu fällen, auch gegen die Wünsche anderer Commonwealth-Staaten.

Bis jetzt hat das Commonwealth auf das Vordringen einzelstaatlicher Sonderinteressen – besonders auf wirtschaftlichem Gebiet – stets elastisch-pragmatisch reagiert. Als die größte Belastung hat sich in den letzten Jahren das Rassenproblem erwiesen. Sollte es Heath nicht gelingen, die Konferenz von der strategischen Notwendigkeit der Waffenlieferungen an Südafrika zu überzeugen, wird er sich auf heftige Angriffe der afrikanischen Commonwealth-Mitglieder einrichten müssen, die jede Stärkung des südafrikanischen Regimes verhindern wollen.