Gewiß haben die Briten das Recht, Rudi Dutschke aus dem Lande zu weisen. Daß sie jedoch von diesem Recht Gebrauch gemacht haben, zeugt nicht eben von selbstsicherer – Staatsklugheit. Und wie sie es getan haben, in einem Prozeß, dessen Undurchsichtigkeit mehr an Burgos und Leningrad gemahnte als an demokratische Gerichtsverfahren, kann all jene nur enttäuschen, die in England noch immer einen Hort der Gerechtigkeit und der Verfahrenssauberkeit sehen. Es gibt eher jenen Recht, die ihre Ansicht, Großbritannien sei im Grunde ein fremdenfeindliches Land, auf die Einreiseprozeduren im Flughafen Heathrow gründen, wo die Schafe Ihrer Britannischen Majestät stets peinlichst von den Böcken ausländischer Herkunft getrennt werden.

Gleichwohl sollte man die Kirche im Dorf lassen. Die britische Obrigkeit mag sich lächerlich machen mit ihrer neuen Auslegung des Begriffes „Staatssicherheit“; sie mag Kopf schütteln hervorrufen mit einer Verfahrensregelung, bei der weder der Beschuldigte noch sein Anwalt, ja – mangels vollständiger Sicherheitsüberprüfung – nicht einmal das ganze Tribunal die volle Wahrheit zu hören bekommt; sie muß Verblüffung auslösen mit einem Spruch, wonach Dutschke die Sicherheit bisher nicht gefährdet habe, solches aber für die Zukunft zu befürchten sei. Vielleicht schreckt sie nachträglich ja noch ihre grenzenlose Liberalität im Falle des weiland Karl Marx – man weiß ja, was daraus geworden ist, daß er jahrelang im British Museum unbeachtet vor sich hin hat schreiben dürfen.

Aber Dutschke wird durch die Ausweisung nicht asyllos, nicht heimatlos, nicht einem elenden Schicksal überantwortet wie jüngst jener litauische Seemann, den die US-Küstenwache den Häschern eines brutalen Systems überantwortete. Er geht nach Dänemark, weil Deutschland, von wo er einige Angebote hat, ihm persönlich zu unsicher scheint. Und die Scheinheiligen sollten ganz still halten: Wer Dutschke ungern an einer westdeutschen Universität sieht, der kann es den Briten schwerlich verübeln, daß auch sie ihn lieber loswerden. Th. S.