Es war ein hochgemuter Einfall der Fernseh-Verantwortlichen beim Hessischen Rundfunk, die Universitätskrise, die sich in den letzten Monaten pro und contra Bund „Freiheit der Wissenschaft“ artikuliert, ineiner Diskussion von 25 Minuten zu lösen.

Offenbar fühlte man sich beim Hessischen Rundfunk schuldig. Vor zwei Wochen war dort der Bund „Freiheit der Wissenschaft“ vom Tisch gewischt worden in einer brillanten, aber riskanten Sendung, deren Autoren gar nicht erst versucht hatten, gerecht zu sein. Sie hatten sich lange vor der Sendung gegen den Bund entschieden, und sie machten einigermaßen überzeugend klar, warum.

Um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen sollte nun der beste Sprecher, der „Chef-Ideologe“ des Bundes, Professor Dr. Richard Löwenthal, diskutieren mit einem Gegner des Bundes, der in jener ersten TTT-Sendung aufgetreten war, Professor Dr. Alexander Mitscherlich. ZEIT-Lesern ist das Paar vertraut,

Als Gesprächsleiter operierte Kurt Zimmermann, der für das hessische Kulturmagazin verantwortliche Abteilungsleiter.

Er hatte sich selber freilich allzu wenig Raum gelassen für Operationen. In 25 Minuten kann man vielleicht eine Bildersammlung vorstellen (wie in dem sehr informativen Beitrag über Picassos frühe Werke in Barcelona, mit dem das Magazin am Montag anfing), vielleicht auch die Inszenierung eines Klassikers oberflächlich analysieren – abersinnvoll über Universitäten diskutieren kann man in 25 Minuten nicht.

Schließlich litt die Diskussion noch darunter, daß es die Löwenthal-Fraktion war, der gegenüber der Hessische Rundfunk offenbar ein schlechtes Gewissen hatte; also wurde immer wieder zuerst Löwenthal gefragt, geriet Mitscherlich immer wieder in Zugzwang und Zeitnot, was ihm nicht half gegen einen so präzise und besonnen formulierenden Dialektiker wie Richard Löwenthal.