Ausgelöst durch die weltweite Zinssenkung kam es zu Beginn dieses Jahres auf dem deutschen Aktienmarkt zu einer Aufwärtsbewegung, wie sie Wochen zuvor nur wenige für möglich gehalten hatten. Die Initiatoren der Hausse sind in erster Linie im Ausland zu suchen, wohin Millionenposten an deutschen Chemie-, Elektro- und Bankaktien gegangen sind. Mit der wachsenden Beteiligung des Börsenberufshandels und der privaten Kundschaft am Aktienhandel wurden dann auch die anderen Marktgebiete, besonders die Eisen- und Stahlwerte, nach oben gezogen.

Eine gewisse Kurskorrektur war bei allen Papieren angebracht, deren Dividendenrendite mit der am Rentenmarkt erzielbaren Verzinsung konkurrieren konnte. Das war hauptsächlich bei den Aktien der Großchemie der Fall, deren Kurse im Zusammenhang mit den Kapitalerhöhungen bei Bayer und BASF überdurchschnittlich gedrückt waren. In den ersten Tagen 1971 sind die Märkte für die Chemie-Aktien „bereinigt“ worden.

Im allgemeinen wurde nach wie vor vorsichtig disponiert, denn sinkende Zinsen als Hausse-Faktor sind nur dann eine echte Initialzündung, wenn gleichzeitig die Tendenz zur Gewinnstabilisierung erkennbar wird. Davon kann jedoch noch keine Rede sein. Aus Furcht, daß sich die Bewegung in den ersten Wochen des neuen Jahres als Frühstart erweisen sollte, haben vorsichtige Leute rasch Kursgewinne zu Geld gemacht. K. W.