Vor schwierigen Auseinandersetzungen steht das Zentralkomitee des Weltkirchenrates, das am Sonntag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zu einer zwölftägigen Sitzung zusammentrat. Es ist die zweite Sitzung des Zentralkomitees nach der Neuwahl 1968 in Uppsala; die erste fand 1969 in Canterbury statt und endete mit dem umstrittenen Entschluß, den Kampf gegen den Rassismus finanzielle zu unterstützen.

Von den 120 Beauftragten der 250 protestantischen und orthodoxen Kirchen aus 90 Ländern, die rund 450 Millionen Mitglieder zählen, wird kaum Widerspruch gegen eine verstärkte Unterstützung sozialer und politischer Freiheitsbewegungen erwartet. Dabei wird, wie Vertreter aus asiatischen und afrikanischen Ländern ankündigten, auch die Verwendung der Gelder für Waffenbeschaffung in Kauf genommen.

Weniger Einmütigkeit besteht in der Frage, ob die bis jetzt stagnierenden Bemühungen um eine Annäherung an die römisch-katholische Kirche fortgesetzt oder sogar intensiviert werden sollen. Die orthodoxen Kirchen befürchten eine Majorisierung durch die westlichen Kirchen, speziell durch Rom, und verfolgen in dieser Frage eine hinhaltende Taktik.

Die Mehrheit wünscht dagegen mehr Annäherung zwischen allen Kirchen. In den ersten Tagen des Treffens hat sich gezeigt, daß weniger Wert auf religiösdogmatische Differenzen als auf Einigkeit gelegt wird, um die Anstrengungen für mehr „soziale Gerechtigkeit“ verstärken zu können. Im sozialen Engagement sehen die afrikanischen und asiatischen Kirchen nicht nur das christliche Gebot, sondern auch die Möglichkeit der Kirchen, ihre Bedeutung zu erhalten.