Eigentlich ist er nicht mehr so ganz neu, der Spruch von der Lage, die noch nie so ernst war. Und doch scheinen Adenauers späte Schüler auf diese Weisheit nicht mehr verzichten zu wollen. So verkündete jetzt der CDU-Wirtschaftsexperte Ernst Müller-Hermann, nach Erkenntnis der Opposition werde 1971 das schwierigste Konjunkturjahr in der Nachkriegsgeschichte. Schlimme Zeiten, die da auf uns zukommen.

Man braucht kein Wirtschaftsprofessor zu sein, um zu erkennen, daß es sich bei der Wirtschaftspolitik nicht immer nur um logische, sondern sehr häufig einfach um psychologische Zusammenhänge handelt. Das heißt, daß die wirtschaftliche Entwicklung auch durch eindrucksvolle Erklärungen in die eine oder andere Richtung gelenkt werden kann. Mit Konjunkturpessimismus, der mit entsprechendem Nachdruck verkündet wird, kann man also durchaus auch Konjunkturpolitik machen.

Wem die Verbreitung von Pessimismus nützen soll, ist eigentlich nicht einzusehen. Wenn man derOpposition zugute hält, daß auch sie die Konjunktur nicht zum Schlechten wenden will, so müßte sie doch die Gefahr solcher negaativer Effekte sehen. Wenn sie aber unr Parteipolitik machen will und auf Srimmungsmache aus ist, dann quahfiziert sic sich durch solches Geredesicherlich nicht für eine baldige Übernahme der Regierungsverantwortung. smi