In der „Süddeutschen Zeitung“, die ich täglich lese, habe ich denn doch einen Kommentar zu der Meldung vermißt „Eine Schule für bayerische Musik“. (Nummer 311.) Nichtbayern tappen da leicht im dunkeln, und als alter Abonnent sollte man etwas geistige Hilfe verlangen dürfen.

Klar ist, daß diese Musikschule seit dem 1. Januar 1971 in der Stollbergstraße 9 zu München existiert. Wenn es sich aber dabei laut Überschrift um eine „Schule für bayerische Musik“ handelt, warum spricht dann der nachfolgende Text von einer „Schule für bairische Musik“? Titel und Text stimmen also nicht überein. Nicht nur wird hier eine Silbe eingespart, sondern es wird auch ein schlichtes i für ein Ypsilon gesetzt, als sollte so zum Ausdruck gebracht werden, daß die neue Schule sich aus kleinen bescheidenen Anfängen entwickeln möchte. Gleich darauf aber heißt es dann wieder: „In der neuen Schule können alle Instrumente erlernt werden, die in der bayerischen Volksmusik vorkommen.“ Diese Instrumente werden dankenswerterweise auch aufgezählt: Es sind „Zither, Hackbrett, Bauernharfe, Gitarre und Kontrabaß.“

Über die Gitarre nur soviel: Würde einerseits Segovia, der wunderbare Interpret des Gitarren-Komponisten Johann Sebastian Bach, würden andererseits die Hippies in aller Welt nicht hellauf lachen, wenn sie erraten sollten, ob ihr geliebtes Instrument nun „bayerisch“ oder „bairisch“ sei? „Keines von beidem“, würden sie erwidern. Und das trifft auch für die Baßgeige zu, die man auf der berühmten „Akademie für Tonkunst“ in München doch vermutlich besser zu beherrschen lernt als auf einer Schule, die uns ein „i“ für ein „y“ vormachen will.

Der Zither bin ich nicht nur bei bayerischem Après-Ski, sondern zur Winterszeit einst auch in schlesischen Bauden, ja sogar beim Heurigen in Wien begegnet. (Siehe auch den Film „Der dritte Mann“.) Also wäre es geographisch nicht zu rechtfertigen, wenn der Staat Bayern einen Alleinanspruch auf die Zither geltend machen sollte. Schließlich ist es ein Weaner und kein Münchner Lied, in dem es heißt: „Wann i mol stirb, stirb, stirb / solln mia Zgeiner trogn / und sollen Zither schlogn.“ Auf die Zigeuner kommen wir noch zurück. Denn zunächst müssen wir von der „Bauernharfe“ sprechen.

Die Bauernharfe unterscheidet sich von der Konzertharfe unter anderen dadurch, daß sie keine Pedale hat: ein Mangel, der ihre harmonischen Möglichkeiten sehr einschränkt. Wenn sie nun wenig-, stens bayerisch wäre! Aber nein, sie ist das Nationalinstrument der freien Iren, die sie sogar im Wappen fühlen. Bleibt das Hackbrett.

Es sind die Zigeuner, die es bis auf den heutigen Tag in ihren Kapellen pflegen: ein zitherartiges Instrument. Sie bearbeiten es mit kleinen Klöppeln und nennen es „Zimbal“. Aus diesem Namen wird „Cimbalon“, sobald wir nur das Lexikon aufschlagen, und daraus wieder „Cembalo“.

Das Hackbrett ist also des Cembalos Vater oder Großvater. Das heißt: Alles, was sich beim „Wohltemperierten Klavier“ Bachs zu Glanz und Herrlichkeit entwickelt hat, war im Hackbrett rudimentär schon vorgebildet. Anders gesagt: Das Hackbrett verhält sich zum Cembalo wie der Neandertaler zu Neander. So wie Hackbrettschlagen sich zum Klavierspiel verhält wie Jodeln zum Koloratur-Gesang.