Erst Übung macht den Meister – diese ehrwürdige Handwerkerregel findet ihre Bestätigung auch bei so avantgardistischem Tun wie dem Rauchen von Haschisch. Denn während die Rausch-Initiierten gewöhnlich schon nach wenigen Zügen aus der Pfeife „high“ sind, muß mancher Anfänger lediglich mit einem dicken Kopf vorliebnehmen: Der „Trip“ endet mit einer Bruchlandung.

Warum das so ist, haben kürzlich Wissenschaftler des amerikanischen „Institute of Mental Health“ erklären, können. Die wirksame Haschkomponente Tetrahydrocannabinol (THC) – so die US-Forscher – wird im menschlichen Körper extrem langsam abgebaut. Im Blut ist THC noch nach drei Tagen nachweisbar, und es dauert gar länger als eine Woche, bis sich der Körper von allen Spuren des THC befreit hat.

Das Hasch-Forscher-Team, dem auch der letztjährige Medizin-Nobelpreisträger Julius Axelrod angehört, benutzte die Tracer-Technik, um die verschlungenen Wege des Haschisch im menschlichen Körper zu verfolgen. Den Kohlenstoff des THC ersetzten sie durch eine radioaktive Variante, das Isotop Kohlenstoff 14. Die strahlend gemachte Droge injizierten sie drei freiwilligen Versuchspersonen, die nie zuvor Haschisch geraucht hatten. Durch Messungen der Radioaktivität einzelner Körperteile konnten die Wissenschaftler den Haschisch-Zyklus beobachten.

So sinkt die THC-Konzentration im Blut während der ersten Stunde nach der Injektion rapide ab – die Droge wandert in das Gehirn und in verschiedene Körpergewebe, besonders in die Lunge. In den Geweben wird das THC gespeichert, und bei regelmäßigem Drogengenuß kommt es zu einer erheblichen Akkumulation von THC.

Diese Ergebnisse beweisen gleich zweierlei. Zum einem erweist sich Rauchen als die geeignetste Methode des Hasch-Konsums, denn der bevorzugte Speicherplatz, die Lunge, wird so auf kürzestem Wege erreicht. Zum anderen löst sich das Rätsel der „Toleranz-Umkehr“ bei Haschern, einem Phänomen, das die Toxikologen schon lange verwirrte.

Opiatiker und Absinthbrüder nämlich erhöhen durch regelmäßiges Training ständig die Toleranzschwelle des Körpers, so daß bald nur noch exzessiver Giftkonsum die erhoffte Befriedigung zu verschaffen vermag. Hascher haben es da leichter. Zunehmende Gewöhnung hat zur Folge, daß immer kleinere Prisen die Pforten der Wahrnehmung öffnen – dank dem von Axelrod entdeckten Speichereffekt. A. F.