Wirtschaft

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DIE ZEIT

Was blieb vom Deutschen Reich?

Das Reich Bismarcks, der einzige Nationalstaat, den die Deutschen jemals ihr eigen nennen durften, ist unwiederbringlich dahin.

Dutschke nach Dänemark

Gewiß haben die Briten das Recht, Rudi Dutschke aus dem Lande zu weisen. Daß sie jedoch von diesem Recht Gebrauch gemacht haben, zeugt nicht eben von selbstsicherer – Staatsklugheit.

Sozialismus unter Null

Alle Jahre wieder, wenn Väterchen Frost kommt, müssen die ostdeutschen Energieverbraucher auf Sparflamme umstellen. Wie schon im Vorjahr ist die auf „Störfreiheit“ bedachte DDR-Wirtschaft durch eine anhaltende Kältewelle in den letzten Tagen und Wochen empfindlich gestört und aus dem Tritt geworfen worden.

Der frostige Frieden

Die Supermächte führen sich auf wie schon lange nicht mehr. Sie blecken die Zähne. Protestnoten, böse Leitartikel, finstere Unterstellungen kennzeichnen ihr Verhältnis.

Ein Kampf mit Rom

Eine spärlich besetzte Kirche, lateinisches Hochamt, gregorianischer Choral und vierstimmige Sätze aus dem späten 19. Jahrhundert, lyrische Predigtworte darüber, daß Jesus Christus in der Taufe des Johannes seine Sendung erfahren habe: In der Rotterdamer Bischofskirche St.

ZEITSPIEGEL

Die Athener Junta will ein sauberes Griechenland. Der Pornokampf Papadopoulos’ richtete sich jetzt gegen die Zeitung Thessaloniki: Sie hatte Comic strips einer italienischen Illustrierten nachgedruckt, die das Liebesleben historischer Personen parodierten.

„Ein bißchen pingelig“

Obwohl er eine der schwierigsten und brisantesten Aufgaben versieht, die in Bonn zu vergeben sind, hat er keine Feinde, wahrscheinlich noch nicht einmal Gegner.

Hoffnung für die Zukunft?

Das Jahr 1866 war vielleicht ein größerer Einschnitt als die Jahre 1870/71. Der Sieg Preußens beendete ein Jahrtausend der deutschen Geschichte, die bis dahin immer, zuletzt noch im Deutschen Bund, im Zeichen übernationaler Ideen gestanden hatte.

Ein zerstörter Mythos

Die Reichsgründung stand nach dem Scheitern der liberalen Revolution von 1848 im Zeichen der wachsenden Entfremdung des deutschen Staatsdenkens von der westlich-demokratischen Entwicklung.

Nur eine Episode

Die Katastrophen, die uns vom 18. Januar 1871 trennen, die alle Kontinuitäten zerstört haben und den Akt der Reichsgründung, so wie ihn Anton von Werner gemalt hat, in eine ferne, abgeschlossene Vorzeit zu verweisen scheinen – eben jene Katastrophen verbinden uns auch mit dem 18.

Prediger für eine neue Moral

Wird in Bougival, dem Seine-Städtchen nicht weit von Paris, bald der Park abgeholzt und das Haus abgebrochen werden, in dem Iwan Turgenjew seine letzten Jahre verbrachte und starb? Nicht nur Russen der alten Emigration pilgern zu diesem Ort, sondern auch sowjetische Besucher.

Drei Richter klagen an

Das uralte Problem der Staatsräson stellt sich in der deutschen Verfassungsgeschichte zum ersten Male als Rechtsfrage. Denn das Grundgesetz verkündet im Gegensatz zu allen früheren Verfassungen nicht nur eine freiheitliche Ordnung: Es garantiert sie in unmittelbar geltenden Rechtssätzen.

Die Fußnoten des Vatikans

So feingesponnen war das Gewebe vatikanischer Diplomatie bei den Änderungen im neuesten Päpstlichen Jahrbuch, daß es der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl auch dann nicht gleich bemerkte, als ihn das päpstliche Staatssekretariat auf die erste kirchenpolitische Konsequenz des deutsch-polnischen Vertrages aufmerksam machen wollte: den Wegfall jener Fußnote, die bisher den Vorbehalt der Kurie gegenüber einer endgültigen Regelung der Diözesangrenzen in den Oder-Neiße-Gebieten markierte.

Trauriges Jubiläum

Vor einem Jahr, am 16. Januar, unterwarf sich das eingekesselte Biafra den nigerianischen Truppen. Die Idee der Ibos von einem unabhängigen Staat blieb ein Traum.

Ist das Häusle in Gefahr?

Die Freien Demokraten haben es in der hohen Kunst der innerparteilichen Auseinandersetzung weit gebracht. Das Stuttgarter Dreikönigstreffen ist ein Beweis dafür.

James Baldwin: Nur ein Nigger

Angela Davis, eine 26jährige farbige Philosophie-Dozentin, hochbegabte Schülerin Herbert Marcuses, Vorkämpferin der „Black Power“-Bewegung und Mitglied der Kommunistischen Partei, ist in Kalifornien wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht gestellt worden.

Der Fall Rullmann

Die bekannten Fakten: Hans Peter Rullmann, Belgrader Korrespondent des Spiegel und mehrerer deutscher Zeitungen, wurde am 10.

Weckmittel für Wahlmüde

Der SPD-Oppositionsführer im Kieler Landtag, Joachim Steffen, der dem Chefredakteur des Spiegel, Günter Gaus, zu Protokoll gab: „Ich bin Sozialist“, hat für die zum 25.

Dem Teufel an den Kragen...

Als er am 12. Juni vergangenen Jahres im Postamt München 2 Postlagerndes auf den Namen Thomas Bachmann abholen wollte und dabei verhaftet wurde, war er glattrasiert und glattgekämmt.

Tränen in Hagen

Die Mitglieder der Delegiertenversammlung des SPD-Stadtverbandes Hagen erlebten einen außergewöhnlichen Anblick: Sie sahen ihren Genossen und Oberbürgermeister Lothar Wrede, 40, der sich bis dahin als ein Mann mit Energie und harten Ellbogen profiliert hatte, weinen.

„Eisblume“ wurde entblättert

Für Pjotr Feodorowitsch Borowinskij, dem ersten Sekretär der sowjetischen Botschaft in Rolandseck, endete das Jahr 1970 mit einer Überraschung.

Kreuz mit dem Wahlkreuz

Manche Geschichten werden nur deshalb zur „story“, weil man sich fragt: wieso ist das eigentlich bisher noch keinem aufgefallen? Die Geschichte von den Einheitslisten bei den hessischen Gemeindewahlen ist ein solcher Fall.

Die leidigen Grenzen

Die neue Ostpolitik hat sich bereits in einem Schulatlanten der Bundesrepublik ausgewirkt; In der Großen Ausgabe von Westermanns Schulatlas, der soeben in erster Auflage erschienen ist, werden: die ehemaligen deutschen Ostgebiete unverkennbar als polnische oder russische Gebiete gekennzeichnet.

Ein Klassiker deutscher Geschichte

Hajo Holborn – 1902 in Berlin geboren, Student bei Friedrich Meinecke und Otto Hintze, 1931 Professor an der Berliner Hochschule für Politik, 1933 zur Emigration gezwungen, in den Vereinigten Staaten Professor an mehreren großen Universitäten, nach dem Zweiten Weltkrieg viele Male in der deutschen Heimat, wo er amerikanisches Mitglied des Herausgeberkreises der „Akten zur deutschen Auswärtigen Politik“ wurde und 1969 bei einem Besuch in Bonn verschied – hat noch „Geschichte im universalhistorischen Sinne gelehrt“ (Rothfels) – „räumlich von Rußland bis Amerika, zeitlich von den alten Griechen bis zu den internationalen Beziehungen der Gegenwart, thematisch von der Geschichtsphilosophie bis zur diplomatischen und militärischen Geschichte .

Das Reich vor dem Tribunal

Hätte es die beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts nicht gegeben, so stünden uns am kommenden Montag, am 100. Geburtstag des Deutschen Reiches, Festlichkeiten über Festlichkeiten bevor, von Paraden Unter den Linden in Berlin bis zu Umzügen dörflicher Feuerwehrkapellen in allen Provinzen.

Paris: Verjüngtes Kabinett

Die erste Umbildung der Regierung Chaban-Delmas seit Juni 1969 bedeutet eine Stärkung der Stellung von Staatspräsident Pompidou und zugleich eine Absage an alle Vermutungen, die Regierung werde ihre Basis nach links hin erweitern.

Neue Friedenshoffnung für Nahost

Die intensiven Beratungen, die der UN-Vermittler für den Nahen Osten, Jarring, am Wochenende in Jerusalem mit der israelischen Regierung führte, haben die Hoffnung bestärkt, daß eine Verlängerung der Waffenruhe am Suezkanal über den 5.

Sowjetunion: Warnung an Juden

Anschläge gegen sowjetische Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und Belästigungen von Amerikanern in Moskau – diese Vorkommnisse verdeutlichten zu Wochenbeginn die neue Abkühlung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen.

Truppenabzug beschleunigt

Washington möchte sein Engagement in Vietnam noch schneller als ursprünglich geplant verringern. Auf einer dreitätigen Inspektionsreise nach Thailand und Südvietnam – der ersten seit zehn Monaten – versuchte Verteidigungsminister Laird am Wochenende Amerikas Verbündete und das weniger optimistische US-Oberkommando von diesem Plan zu überzeugen.

Weltkirchenrat: Geld für Waffen?

Vor schwierigen Auseinandersetzungen steht das Zentralkomitee des Weltkirchenrates, das am Sonntag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zu einer zwölftägigen Sitzung zusammentrat.

Die Mitgliedstaaten des Commonwealth

Südafrika – obwohl auf Grund seiner Rassenpolitik seit zehn Jahren kein Mitglied mehr – wird im Mittelpunkt der Commonwealth-Konferenz stehen, die am 14.

Dokumente der ZEIT

„In den letzten Tagen haben sich prominente Politiker aus Ost und West erneut zur Berlin-Frage geäußert. In diesem Zusammenhang ist in der Kommentierung in der Bundesrepublik eine gewisse Sprachverwirrung eingetreten.

Uruguay: Vierte Entführung

Die Tupamaros, Uruguays straff organisierte Stadtguerillas, haben ein viertes Opfer entführt: Am Freitag letzter Woche brachten zehn Männer in einer Blitzaktion den 55jährigen britischen Botschafter in Montevideo, Geoffrey Jackson, in ihre Gewalt.

Bismarck in der Löwengrube

Von den Heiterkeitsausbrüchen der Kollegen hört Werner Höfer schon die Sendeanstalten von der Isar bis zur Schlei widerhallen.

Das Glück von Summerhill (3): Antiautoritäre Erziehung

Im allgemeinen vertritt Neill als Erzieher heute noch ganz die gleichen Ansichten wie vor fünfzig Jahren; viele Formulierungen in dem Buch, das 1970 Deutschland bewegte, stammen aus dem 1936 veröffentlichten Buch "That Dreadful School".

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Die erste Schlacht mit der Machete“ (1969), von Manuel Octavio Gómez (ZDF am 19. Januar). „Liebelei“ (1932), von Max Ophüls (ARD am 21.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Perfidie mit einem Paß

Zu den erklärten Prinzipien des „Bundes der Kommunisten Jugoslawiens“ gehört, das Reich der Freiheit nicht (jedenfalls nicht nur) in eine ferne und abstrakte Zukunft zu projizieren, sondern die Gesellschaft bereits auf ihrem Wege in den Sozialismus Freiheiten in einem Maße praktizieren zu lassen, wie es die Parteien der „Bruderländer“ ihrem Fußvolk noch immer nicht zugestehen wollen.

ZEITMOSAIK

Nachdem Erich Fried, in London wohnhafter Schriftsteller und Übersetzer, für seinen Freund Rudi Dutschke ausgesagt und das Gericht den ehemaligen Studentenführer als Sicherheitsrisiko abgeurteilt hatte, setzte er seiner neuen „Othello“-Übersetzung noch folgende Widmung voran: „Diese Othello-Übersetzung ist dem Right Honourable Reginald Maudling, P.

Ein Lyriker bastelt einen Krimi

Auf der Frankfurter Buchmesse liefen sie herum, die „Kneusse“ mit Schnauz und Dächlimütze, denn Beat Brechbühl hat einen Typus schaffen wollen, den man sich merken wird („Zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Quärulanten, von ihm selber aufgeschrieben“, lautet der betont umständliche zweite Titel), den wir aber weniger an seiner inneren Notwendigkeit oder seiner besonderen Vertracktheit erkennen als an seinen Requisiten, zu denen ein „Klemens“ genannter Koffer, die unverwechselbare Hündin Finette und eine Reihe weniger unverwechselbarer Mädchen und Frauen gehören.

Für die Ungarn der Dichter schlechthin

Daß sich Klassiker heutzutage nur noch in den heiligen Hainen der Germanistik oder Romanistik zeigen und frei bewegen dürfen, in den stillen Archivreservaten, die eigens zu diesem Behufe mit undurchdringlichen Stacheldrahtzäunen umgeben werden, pfeifen die Spatzen von den Dächern.

KRITIK IN KÜRZE

„Der Riß der Zeit geht durch mein Herz“ von Hertha Pauli. Hertha Pauli, in Österreich durch etliche Romane und ein Buch über Beriha von Suttner bekannt, mußte im März 1938 Wien verlassen.

Fibel für Professoren

Für das vergangene Sommersemester war in einer Untersuchung aller an bundesrepublikanischen Universitäten angebotenen Veranstaltungen der neueren Literaturwissenschaft festzustellen, daß sich zwar die Themen um Bruchteile mehr als früher der neueren Literatur zugewandt hatten, daß aber die Veranstaltungstypen (Vorlesung, Übung, verschiedene Seminare) dieselben geblieben waren – mit ganz wenigen Ausnahmen.

Industrie als Kunst

Kalköfen, Hochöfen und Gasbehälter, Kühltürme, Fördertürme, Wassertürme und Silos – lauter Industriebauten, deren Erscheinungsformen fast ausschließlich durch die Funktionen bestimmt sind und durch die daraus resultierenden technischen Konstruktionen.

Horväths „Geschichten“ in Düsseldorf: Heurigen-Kälte

Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wienerwald“ lassen sich von verschiedenen Seiten her angehen. Einmal ist dieses „Volksstück“ aus den dreißiger Jahren die perfekte Entlarvung des Operetten-Klischees vom singenden, klingenden, walzerseligen Wien, das bekanntlich ein goldenes Herz hat und sein Mutterl liebt.

Traktat über die Pause

Wieder einmal zeigte es sich, daß ein Grundsatzproblem immer dann am anschaulichsten wird, wenn man es, auf dem Bildschirm, an einem signifikanten Detail illustriert.

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