In keinem Jahr hat es in der Bundesrepublik so viele Fonds-Gründungen gegeben wie 1970. Die Kreditinstitute sind bemüht, ihre Kunden mit kleineren Effektendepots zum Umsteigen in bankeigene Investment-Fonds zu veranlassen. Das geschieht in erster Linie aus Rationalisierungserwägungen. Auf der anderen Seite läßt das aus dem 624-Mark-Gesetz und der tariflichen Vermögensbildung resultierende Neugeschäft die Bildung neuer Fonds ratsam erscheinen.

Wer die Investmentergebnisse des abgelaufenen Jahres betrachtet, wird unschwer feststellen können, daß die jungen Fonds besser abgeschnitten haben als die älteren, deren Ergebnisse im allgemeinen traurig stimmen. Die jungen Fonds haben so lange wie möglich die ihnen zugeflossenen Mittel als „Festgelder“ bei den Banken gehalten und sind so den Folgen der Aktien- und Rentenbaisse weitgehend entgangen. Die alten Fonds mußten zwangsläufig mit Millionenbeträgen in der immer schwächer werdenden Börse bleiben und haben außerdem erst spät erkannt, daß man im Jahre 1970 im Grunde keine Wertpapiere besitzen durfte.

Sieht man einmal von Interkapital, dem bisherigen Brauereifonds, ab, der als einziger Aktienfonds einen kleinen Gewinn erwirtschaftet hat, so können nur die Rentenfonds 1970 Überschüsse ausweisen. An der Spitze liegen hier Dekarent International (+ 8,6) und Allrenta (+ 7,1). In beiden Fällen handelt es sich um relativ junge Rentenfonds. Sie haben ihren Anlegern annähernd jene Rendite gebracht, die sie mit festverzinslichen Wertpapieren im vergangenen Jahr auch selbst erzielen konnten. Die großen Rentenfonds blieben dagegen hinter der allgemeinen Rentenrendite zurück.

Die Aktienfonds, die vorwiegend an deutschen Börsen investierten, mußten schlechter abschneiden als die international anlegenden Fonds, denn die deutschen Aktienkurse hatten 1970 die größten Verluste hinzunehmen. Wenn der IOS-eigene Fonds „Investors“ – trotz seiner Internationalität – am schlechtesten von allen deutschen Fonds gewirtschaftet hat und sich der Wert seiner Anteile um ein Viertel verminderte, ist das ein Zeichen schlechter Anlagepolitik, für die es im Grunde keine Entschuldigung gibt. Der Trinkaus Fonds I, der eine Zeitlang das Schlußlicht der deutschen Fonds bildete, hat sich in den letzten Monaten erstaunlich gut entwickelt.

Im Dezember profitierten die internationalen Fonds von der festeren Tendenz in New York, am meisten Transatlanta (+ 6,8). Für Januar scheint die Bilanz erfreulich zu werden. Die Rentenfonds kommen in den Genuß der gestiegenen Kurse der festverzinslichen Papiere, und die deutschen Aktienfonds können ihren Nutzen aus der allgemeinen Kurserholung ziehen, die inzwischen in den deutschen Börsensälen stattgefunden hat. K. W.