Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Angst, sich zu verlaufen, braucht der Budapest-Neuling nicht zu haben: Wer nicht mehr weiter weiß, fragt nach der Duna, der Donau. Und von der Donau aus ist die Orientierung ein Kinderspiel. Die sieben Brücken – alle nach dem Kriege neu erbaut – sind markante Punkte. Über die Brücken laufen Radialstraßen, die den inneren, den mittleren und – auf der Pester Seite – auch den äußeren Ring (Ring heißt Körút) kreuzen.

Angst, nicht unterzukommen, braucht der Budapest-Reisende auch nicht zu haben. Er kann „modern“ wohnen: im Düna Intercontinental, Ungarns Nobelherberge, oder im Riesenrundbau des Hotels Budapest auf der Budaer Seite, auch im Hotel Sport am romantischen „bodenlosen Teich“; er kann „echt österreichisch-ungarisch“ unterkommen in den älteren, jedoch bestens erhaltenen Hotels, zum Beispiel im Grand Hotel Royal am Lenin-Ring.

Nicht mehr zur Klasse A1, aber noch zu A2 gehört das kleine Hotel „Vörös Csillag“ (Roter Stern) auf dem Budaer Freiheitsberg (Szabadsághegy; hegy heißt Berg). Dieses Haus ist nicht – wie die anderen – ein „Fast-nur-für-Ausländer“-Hotel. Es gehört zu den preiswerteren Quartieren; ein Doppelzimmer mit Bad und Bidet kostet in der Saison (April bis September) 410 Forint pro Nacht, außerhalb der Saison 290 Forint.

Der Freiheitsberg gehört (wie auch der Johannesberg oder der Gellértberg) zu den Budaer Bergen, die schon beinahe Mittelgebirge sind. Über den Freiheitsberg steht im neuesten Budapest-Reiseführer (er ist überall für 53 Forint zu haben, seine Anschaffung sehr empfehlenswert): „Der Szabadság-hegy ist das höchstgelegene Budaer Villen- und Gartenviertel.“

Nicht in einem einzigen Reiseführer wird erwähnt, was auch ich nur durch eindringliches Befragen von Freunden erfuhr: Hier wohnte und wirkte Adolf Eichmann. Adresse: Karthauserstraße vier bis acht (Karthauzi út; Utca heißt Straße, abgekürzt út). Die Häuser gehören zu den wenigen, die den Zweiten Weltkrieg überstanden. In Nummer vier sitzt heute die Verwaltung des XII. Bezirks der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei; Karthauserstraße sechs und acht sind Wohnhäuser: in Nummer sechs wird Ziehharmonikaunterricht erteilt, in Nummer acht wohnt jemand, der Laufmaschen auffängt.

Auf moderne Art und Weise kommt man neuerdings auf den Johannesberg. Eine im August 1970 in Betrieb genommene Seilbahn – sie wird von den Ungarn „Libego“ genannt – bietet für sieben Forint (Rückfahrkarte; einfache Fahrt: fünf Forint) ein Vergnügen: In Sesselchen schwebt man vom Zugliget-Tal (Talstation erreichbar mit der Straßenbahn 58 ab Moskauer Platz) auf den 580 Meter hohen Jànos-hegy; oben sind Aussichtsturm, Restaurant und Café.