Willy Brandt hat den Künstlern nicht nur eine Rede gehalten, sondern auch Taten folgen lassen: Im Bungalow im Garten des Kanzleramtes, der heute allerdings nur noch zu Arbeitsbesprechungen und Repräsentationszwecken dient, sorgen neuerdings Werke zeitgenössischer Kunst dafür, daß die asketisch spröde Innenarchitektur des Baus von Sep Ruf, in dem einst Ludwig Erhard dem deutschen Volke vorzuwohnen gedachte, mit Leben und Bewegung erfüllt ist. Die Bilder, Skulpturen und Objekte stammen aus der Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes, die im vergangenen Herbst in Bonn zu sehen war und die, ein Novum, vom Kanzler eröffnet wurde.

Bei der Ausstellungseröffnung hatte der Kanzler versprochen, daß es bei der rhetorischen Reverenz der Politiker der Kunst gegenüber nicht bleiben solle. Dieses Versprechen ist jetzt eingelöst worden: Eine vom Bundesinnenministerium berufene Kommission, der unter anderen die Maler Georg Meistermann, Raimund Girke und Arnold Leissler sowie die Bildhauer Erich Hauser und Fritz König angehören, hat auf der Ausstellung des Künstlerbundes für rund 100 000 Mark 17 Werke ausgewählt und angekauft. Zwei davon hat Bundespräsident Heinemann in seinem Amtssitz behalten (ein abstraktes Gemälde des Berliners Fred Thieler und ein Bild der Düsseldorferin Claudia Kinast), die übrigen 15 sind im Bungalow placiert worden.

Es sind Werke von Joachim Albrecht, Hans Baschang, Buja Bingemer, Victor Bonato, Erdmut Bramke, Leo Breuer, Bernd Damke, Paul Uwe Dreyer, Christoph Freimann, Ernst Geitlinger, Ferdinand Spindel und Jan Voss – Wilhelm Loths „Große sitzende Figur im Würfel“ ist im Park des Kanzleramtes zu sehen, Otto Herbert Hajeks „Stadtzeichen“ im Innenhof des Bungalows aufgestellt worden. Zwischen 950 und 18 000 Mark wurden für die Kunst pro Stück gezahlt.

Das Beispiel soll und könnte Schule machen: Auch andere Bonner Behörden zeigen inzwischen Interesse, denn nicht alle Ministerialbeamten können, glücklicherweise, den Gebirgslandschaften und schaumgekrönten Meeresstücken in ihren Büros heute noch etwas abgewinnen. Die Ankaufskommission wird ihre Arbeit in diesem Jahr fortsetzen. Carl-Christian Kaiser