Die intensiven Beratungen, die der UN-Vermittler für den Nahen Osten, Jarring, am Wochenende in Jerusalem mit der israelischen Regierung führte, haben die Hoffnung bestärkt, daß eine Verlängerung der Waffenruhe am Suezkanal über den 5. Februar hinaus möglich ist. Über Jarrings Gespräche wird Stillschweigen bewahrt. Es wurde nur bekannt, daß er mit detaillierten israelischen Interpretationen zu strittigen Punkten nach New York zurückgekehrt ist.

Schon vorher bekannt war der israelische Wunsch, die Friedensgespräche auf Außenministerebene an einem näher gelegenen Ort fortzusetzen. Außerdem soll sich Jerusalem bereit erklärt haben, unabhängig von den Friedensgesprächen bei der Lösung des Problems der palästinensischen Flüchtlinge mitzuwirken. Nach anfänglich starrer Ablehnung haben die Palästinenser erkennen lassen, daß sie an einer „kleinen Lösung“ dieser Frage unter Umständen mitarbeiten wollen.

Jarring wird wahrscheinlich auch Kairo und Amman besuchen. Die Ankündigung seines Israel-Besuches war von arabischer Seite zuerst mißfällig kommentiert und als neue Jerusalemer Verzögerungstaktik interpretiert worden. Am Wochenende ließ Kairo aber erkennen, daß es jetzt größere Hoffnung auf Kontakte setzt, die von den vier Großmächten unterstützt werden. Die Erfüllung der Resolution des UN-Sicherheitsrates vom November 1967 wird zwar noch immer verlangt, aber darüber hinaus setzt Kairo jetzt auf die „großen Vier“.

Für deren diplomatische Unterstützung hatte schon Ägyptens Außenminister Riad bei seinen Besuchen in London, Paris und Rom geworben. Am Wochenende wurde auch deutlich, daß Kairo auf zwei Bühnen agiert: kriegerische Reden an die ägyptische Bevölkerung und eine rege diplomatische Aktivität, die auf Fortsetzung des Dialogs abzielt.

So erklärte Präsident Sadat, ein Ende des Waffenstillstands sei nicht gleichbedeutend mit der Eröffnung von Feindseligkeiten. Kairo behalte sich lediglich nach diesem Zeitpunkt „freie Hand“ vor. Es sei sogar bereit, eine Beobachtungs- und Sicherungstruppe der vier Großmächte zu akzeptieren, die auf beiden Seiten der Waffenstillstandslinie patrouilliere.

Zu einer Belastung der Friedenskontakte drohten die erneuten Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Freischärlern in Jordanien zu werden. Die von den Palästinensern vorgebrachten Behauptungen über das Ausmaß der Kämpfe haben sich allerdings als übertrieben erwiesen. Aus der Luft gegriffen war auch ihre Behauptung, Amman wolle sie jetzt endgültig liquidieren. Nach Hilferufen der Freischärler und Interventionsdrohungen Syriens einigten sich die Kontrahenten Mitte der Woche auf eine Beendigung der Kämpfe.