Nur über meine Leiche“ – so hatte Lord Robens, Vorsitzender der staatlichen Kohlebehörde, immer wieder Gerüchte kommentiert, wonach die Londoner Regierung Teile des National Coal Board reprivatisieren wolle. Für Premier Heath und seine konservativen Kollegen ist die Bahn nun frei: Lord Robens verzichtet wirklich auf die Erneuerung seines Kontrakts und bleibt nur noch so lange im 20 000-Pfund-Job, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Im Coal Board leistete er mehr, als sein erster Auftraggeber, Tory-Premier Macmillan, von ihm erwartet hatte. In den zehn Jahren seines Wirkens brachte er die sieche Staatsindustrie zwar nicht ganz aus den roten Zahlen heraus, stellte sie aber trotz ihres Niedergangs auf gesündere Füße. Die Anzahl meist unwirtschaftlicher Zechen reduzierte er von 737 auf 299. Und trotz aller politischen Widerstände baute der Sozialist die Bergbau-Belegschaft um über die Hälfte auf 300 000 ab, wobei mit vorher nicht bekannten oder gefürchteten Rationalisierungs- und Mechanisierungsmaßnahmen die Schichterträge um über 50 Prozent gesteigert werden konnten.

Daß der Kohlenverbrauch weiterhin sank und die Zechentätigkeit bis heute defizitär blieb (Verlust 1969 vor Steuern und Kapitaldiensten 11,8 Millionen Pfund), werfen ihm selbst die ärgsten Feinde nicht vor.

Robens „Fehler“ war jedoch, daß er diese Verluste nicht einfach hinnahm, nicht bei seinen Kohlen blieb, sondern die Tätigkeit des National Coal Board diversifizierte. Heute betreibt das Staatsunternehmen Wohnungsbau und Landwirtschaft, hat seine eigene chemische und Ziegelei-Industrie, bohrt in der Nordsee nach Öl und Gas und hat sogar auf dem Kohlen-Computer noch genügend freie Kapazitäten für einen landesweiten. Hotelreservationsdienst. Alles zusammen brachte immerhin 13,8 Millionen Pfund zur Deckung des Kohlenverlustes ein.

Den Londoner Kommentatoren vom Guardian bis zur Times fällt es daher schwer zu begreifen, warum Robens nun. gerade für diese wirtschaftliche Expansion „büßen“ muß. Der erzkonservative Daily Telegraph kommentierte das Robens-Ende: „Politische Entscheidungen müssen befolgt werden, egal ob sie sinnvoll sind,“ fw