Mit der in diesem Monat aufgelegten Anleihe der Deutschen Bundesbahn ist die Phase der Achtprozenter auf dem Gebiet der Inlandsanleihen vorüber. Die nächsten Emissionen werden nur noch mit einem Nominalzinssatz von 7 1/2 Prozent ausgestattet sein. Innerhalb weniger Monate ist der Zins auf dem deutschen Kapitalmarkt um mehr als ein Prozent zurückgegangen. Auch bei den Spareinlagen beginnt der Zins zu bröckeln. Die ersten Institute haben entgegen der Empfehlung ihres Verbandes den Eckzins für Spareinlagen von 5 auf 4 1/2 Prozent senken müssen. Die übrigen Sparkassen und Banken werden demnächst folgen.

Diese Entwicklung – allerdings nicht ihr Tempo – war vorauszusehen. Im Spätsommer 1970 legte ich Ihnen nahe, meine, verehrten Leser, mit der Anlage ihrer Ersparnisse in festverzinslichen Papieren nicht mehr länger zu zögern. Wer damals Anleihen zum Nominalzins von 8 1/2 Prozent erworben hat, sicherte sich nicht nur für viele Jahre eine Rendite (bis zu 9 Prozent), sondern hat jetzt bereits einen Kursgewinn erzielt, der über 5 Prozent der Anlage hinausgeht. Die Kurse einiger 8 1/2prozentiger Emissionen liegen heute über 105 Prozent.

Die achtprozentige Bahn-Anleihe ist mehrfach überzeichnet worden. Deshalb konnten nur Minimalbeträge zugeteilt werden. Ganz Schlaue wollten mit dieser Emission ihren Wintersport finanzieren. Ihre Rechnung war einfach: Der Ausgabekurs der Anleihe betrug 99 1/4 Prozent, gleichzeitig wurde die Emission in den Börsensälen aber mit 102 1/2 Prozent gehandelt. Man brauchte nur den zugeteilten Betrag sofort zu verkaufen und sich die Differenz zwischen dem Ausgabe- und Verkaufskurs gutschreiben zu lassen. Ein großes Geschäft kam allerdings nicht zustande, weil die zugeteilten Beträge selten über 1000 Mark hinausgingen.

Die knappe Zuteilung bei der Bahn-Anleihe hat in Sparerkreisen den Eindruck hervorgerufen, daß festverzinsliche Papiere knapp geworden seien. Davon kann natürlich keine Rede sein. Es gibt ausreichend Alternativen. Abgesehen davon, daß noch einige DM-Auslandsanleihen mit einem Nominalzinssatz von 8 1/4 Prozent offeriert werden sollen. Wer lediglich an hohen Zinsen interessiert ist, wird hier sogar noch besser bedient als mit Inlandsanleihen. DM-Auslandsanleihen, deren Zinsen nicht der Kuponsteuer unterliegen, werden besonders von Schweizern, Holländern und Belgiern lebhaft gesucht.

Auslandsanleihen erster Adressen mit einem Zinssatz von – 8 1/2 Prozent haben inzwischen Kurse von 105 bis 107 Prozent erreicht. Das entspricht einer Rendite von etwa 7 3/4 Prozent. Emissionen weniger geschätzter Emittenten aus Entwicklungsländern bringen noch Renditen von 8 3/4 bis 9 1/4 Prozent. Mit dieser Differenzierung unternimmt der Markt eine Klassifizierung der Schulden, wie sie in den USA schon seit langem üblich ist.

Beim Kauf festverzinslicher Papiere denken Sie stets an die steuerliche Seite dieser Anlage. Ein Ehepaar kann sich frei von Steuergesichtspunkten entscheiden, wenn seine nichtlohnsteuerpflichtigen Einnahmen 800 Mark im Jahr plus 300 Mark Werbungskosten bei Kapitalerträgen nicht überschreiten. Müssen die Zinsen aus dem Wertpapierbesitz versteuert werden, so gilt folgender Grundsatz: Nicht mehr allein die jährliche Effektivverzinsung entscheidet über den Erfolg der Anlage, sondern daneben auch der steuerfrei erzielbare Kursgewinn, der sich aus der Tilgung ergibt. Denn Rückzahlungsgewinne sind steuerfrei.

Wenn jemand heute-eine achtprozentige Anleihe kauft und einem Einkommensteuersatz von 40 Prozent unterliegt, so bleiben ihm von den Zinsen statt jährlich 8 nur noch 4,8 Prozent. Wer so viel Steuern zahlen muß, steht sich besser bei Anleihen mit niedrigerem Nominalzins. Ihre Kurse liegen zeitweise weit unter 90 Prozent. Da nun aber die Differenz zwischen dem Börsenkurs von unter 90 Prozent und dem Rückzahlungskurs von 100 Prozent steuerfrei vereinnahmt werden kann, setzt sich hier die eigentliche Rendite aus zwei Posten zusammen, einmal aus der laufenden (zu versteuernden) Verzinsung und zum – anderen aus dem steuerfreien Kursgewinn, der, auf die sogenannte „mittlere Laufzeit“ oder „Endlaufzeit“ berechnet wird. Zwar nähert sich der Kurs einer Anleihe schon bei Ende ihrer Laufzeit dem Rückzahlungskurs, aber nur derjenige kassiert sicher den errechneten Tilgungsgewinn, der auch seine Stücke bis zur Rückzahlung behält.