Die bange Ungewißheit, ob sie oder einer ihrer Geschäftspartner auf der seit langem im Bundesfinanzministerium vermuteten Liste sogenannter Steuerflüchtlinge verzeichnet seien, suchten deutsche Unternehmet durch lukrative Angebote zu klären. Was sie mit Geld nicht erhalten konnten, lieferte ihnen die amerikanische Nachrichtenagentur UPI umsonst. Die Agentur veröffentlichte eine von ihr selbst so bezeichnete „schwarze Liste“ und machte damit betroffene Bürger, Unternehmen und Verbände so wütend auf das Bundesfinanzministerium, daß dieses sogleich bestritt, jemals „schwarze Listen“ geführt oder deren Veröffentlichung gefördert zu haben.

Die zweite dieser beiden Schutzbehauptungen stimmt nicht ganz; die erste ist indes richtig: Die Liste hätte ebensogut von findigen und vor allem fleißigen Reportern zusammengestellt werden können, wären sie nur auf den Gedanken gekommen. Sie ist so wenig schwarz wie ihre Quellen: Unter anderem der von der Commerzbank unter dem Titel „Wer gehört zu wem?“, 8. Auflage, herausgegebene Führer durch den Beteiligungsdschungel und die jedermann zugänglichen schweizerischen Handelsregister.

Gleichwohl argwöhnte der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) eine planmäßige Diffamierung deutscher unternehmerischer Ausnahmebeziehungen“. DIHT-Außensteuerexperte Hans Flick, der noch vor kurzem die Empfehlungen der unabhängigen Steuerreformkommission zum Außensteuerrecht im Grundsatz begrüßt hatte, wetterte gegen die „Irreführung“ durch die Steuerfluchtlisten und gab damit seinen Angriffen gegen die von der Bundesregierung beschlossenen Leitsätze für ein Steueroasengesetz Nachdruck. Die noch unerprobte Wirkungsweise dieser Leitsätze nannte er „Holzhammermethoden“.

Anhänger wie Kritiker der Leitsätze unter den Bonner Beobachtern waren von dieser Wortwahl überrascht, paßte sie doch nicht ganz zum Image des zu gutachtlicher Neutralität verpflichteten DIHT. Anders als Fachverbände hatte sich die Spitzenorganisation der 90 Industrie- und Handelskammern in der Vergangenheit distanzierter Formulierung befleißigt und damit ihre besondere Rechtsstellung unterstrichen.

Nicht nur in der Auseinandersetzung über die Steuerflucht macht sich die neue Tonart bemerkbar. DIHT-Chef Otto Wolff von Amerongen hielt sie in der rechtsgerichteten Illustrierten „Quick“ auch für angebracht, als er Bundesfinanzminister Alex Möllers Haushaltspolitik mit rüdem Begleittext als „Sündenfall“ apostrophierte und damit – auch dies ein Novum in der Bundeshauptstadt – eine nicht minder ruppige Gegenerklärung des Ministers gegen den DIHT provozierte. pl