Wenn ein Professor zur CDU übertritt, dann hat er lediglich von jedermanns Recht, seine Meinung zu ändern, Gebrauch gemacht. Wenn ein Wilhelm Hennis zur CDU übertritt, dann bedeutet das, der

Als der Bund "Freiheit der Wissenschaft" sich formierte, wiesen seine Befürworter darauf hin, hier könne die Rede nicht sein von Konservatismus oder "rechts", hier hätten Liberale von rechts und links sich zusammengefunden, denen es ernst sei mit einer vernünftigen Universitätsreform. Waren das nicht liberale, über jeden Konservatismus-Verdacht erhabene Männer, der parteilose Münchener Politologe Hans Maier, der einst der SPD angehörige Freiburger Politologe Wilhelm Hennis, der Berliner Politologe Richard Löwenthal, Mitglied der SPD?

(Wie die Universitäts-Repräsentanz derart in die Hände der Politologen fallen konnte, warum wir dabei die Chemiker und die Pädagogen so schmerzlich vermissen, das ist eine andere wichtige Frage.)

Aber dann wurde Hans Maier Kultusminister der CSU-Regierung in Bayern, dem, man wird es wohl sagen dürfen, bildungspolitisch konservativsten Bundesland; Wilhelm Hennis ist nun also zur CDU übergetreten und hat damit die Karten auf den Tisch gelegt; und Richard Löwenthal gerät, obwohl er es selber nicht wahrhaben will, immer mehr in die Rolle des odd man out: der einzige "Linke" in einem Kreise von "Rechten".

Daß es so ist, wird viel leichter einsichtig, wenn man sich einmal frei macht vom Fetischismus des "Progressiven", wenn man sichweigert, jede Veränderung schon deswegen für gut zu halten, weil es eine Veränderung ist.

Ein Mann wie Paul Mikat etwa, einst CDU-Kultusminister von Nordrhein-Westfalen, hat Vorstellungen von der Rolle und den Möglichkeiten der Universitäten in unserer Gesellschaft, die auf eine wünschenswerte Wirklichkeit abzielen.

Ähnliches gilt für Minister Hans Leussink, auch er ja kein radikaler "Linker".