Von Marion Gräfin Dönhoff

Singapur im Januar

In den Restaurants der Luxushotels von Singapur – und deren gibt es hier mehr als in irgendeiner anderen vergleichbaren Stadt – sieht man plötzlich allenthalben elegant gekleidete Afrikaner. Die 31 Regierungschefs des Commonwealth, die etwa 900 Millionen Menschen repräsentieren, sind mit ihren Delegationen (im Durchschnitt 20 bis 30 Personen) hier eingezogen.

Einige von ihnen sind in Europa so gut wie unbekannt. So haben wohl die wenigsten von uns je von den vier Würdenträgern Notiz genommen, die in Singapur als erste ankamen. Es waren der Premierminister von Samoa, Tupua Tamasese Lealofi IV., der Premierminister von Tonga, Prinz Tu’ipelehake’, nebst seinem Finanzminister Mahe ’uli ’uli Tupouniua, schließlich der Premierminister der Fidschi-Inseln, Ratu Sir Kamisese Mara.

Schon ehe die Staatsmänner in Singapur eintrafen, ging ihnen ein vielfältiges Echo voraus. Jeder hatte vor der Abreise seinen Standpunkt noch einmal laut und scharf formuliert; die meisten brachten dann auf der Zwischenstation in Neu-Delhi oder Hongkong noch eine Steigerung zustande. So schwoll der Chor der herannahenden Kämpen immer stärker an.

Der Regierungschef des alten Mutterlandes, Edward Heath, warnte von Delhi aus davor, moralische Wertungen gegenüber Ländern mit anderen politischen Systemen vorzunehmen oder mit Hilfe von Gewalt Veränderungen herbeiführen zu wollen. Es gehe bei der Commonwealth-Konferenz, so sagte er, nicht so sehr um die Waffenlieferung an Südafrika als vielmehr um die Frage, ob jedes der 31 Mitglieder das Recht habe, seine eigene Außenpolitik zu führen.

Aus den afrikanischen Kehlen erklang zur gleichen Zeit ein anderes Lied: Viel härtere Schläge und tiefere Wunden würden den Nichtweißen Südafrikas zugefügt werden, wenn eine zivilisierte westliche Macht diesem "faschistischen, rassistischen System" auch nur den Schein des Rechtes verleihen würde; überdies verletzten Waffenlieferungen an Südafrika das Embargo, das die UN ausgesprochen hat. Und schließlich: "Südafrika mit seiner Apartheid ist unser Feind. Wenn Heath unsere Feinde bewaffnet, dann ist auch Großbritannien unser Feind."