England hat eine unruhige Woche hinter sich und richtet sich auf turbulente Tage ein. Mitte voriger Woche endete ein Tag britischer Massendemonstrationen gegen die Gewerkschaftsreform mit einem Bombenanschlag auf das Haus des Arbeitsministers Robert Carr. Zwei ex-Bomben richteten glücklicherweise nur Sachschaden an. Für den Anschlag übernahm eine „Zornige Brigade“ die Verantwortung.

Der Anschlag auf den auch von den Gewerkschaften hochgeachteten Carr ist von allen Seiten scharf verurteilt worden. Er hat der Protestbewegung der Arbeiter mehr geschadet, als genutzt. Mit Unmut richtete sich die Bevölkerung auf den Streik der britischen Post ein, der am Mittwoch begann. Es ist der fünfte große Streik seit Amtsantritt der Regierung Heath im Juni 1970. Zuvor waren die Hafenarbeiter, die Beschäftigten der Müllabfuhr, die Bergleute und die Angestellten der Elektrizitätswerke in den Ausstand getreten.

Auch die Proteste gegen die Ausweisung Rudi Dutschkes dauern an. Obwohl die meisten Engländer nicht bereit sind, sich der Behauptung der demonstrierenden Studenten anzuschließen, dies sei ein Schlag gegen die „Freiheit der politischen Meinung“, ist dennoch die Kritik sowohl am Vorgehen wie an den Vorwänden Innenministers Maudlings nicht verstummt. In einer lebhaften Debatte des Unterhauses fanden die Konservativen aber mit 295 gegen 237 Stimmen eine überraschend große Mehrheit für den Ausweisungsbeschluß.