An der Wall Street haben sich die Aktienkurse auf einem Niveau konsolidiert, das etwa einem Stand des Dow Jones-Index von 840 entspricht. Die stürmische Aufschwungphase im Dezember hat sich deutlich abgeschwächt. Angesichts der Hausse am deutschen Aktienmarkt ist die New Yorker Börse für deutsche Anleger im Augenblick weniger interessant geworden. Einige Banken sind aber der Ansicht, daß die „deutsche Hausse“ dazu benutzt werden sollte, bei den deutschen Aktien Kursgewinne sicherzustellen und mit dem Erlös US-Aktien zu erwerben, wo nach ihrer Ansicht nunmehr der zweite Aufschwung unmittelbar bevorsteht. Die amerikanische Regierung ist fest entschlossen, die Konjunktur trotz des immer noch anhaltenden Preisauftriebs anzukurbeln, um die bedrohlich gewordene Arbeitslosigkeit zu mildern. Auf der anderen Seite wird von verantwortungsbewußten US-Brokern darauf hingewiesen, daß der erste Kursaufschwung an der New Yorker Börse bereits viel vorweggenommen hat. Er muß erstdurch höhere Unternehmensgewinne gerechtfertigt werden. „Mehr als 50 Punkte wird der Dow Jones-Index in diesem Jahr nicht mehr steigen“, unken die Vorsichtigen. Das wären nicht einmal fünf Prozent Kursgewinn über die ganze Marktbreite gerechnet.

Auch die französische Wirtschaftspolitik hat ungeachtet des Preisanstiegs im Lande wieder auf Wachstum geschaltet. Es hat Kredit- und Devisenerleichterungen gegeben, außerdem wurde der Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel gesenkt.

Undurchsichtig ist die Börsensituation in den Niederlanden. Philips-Aktien liegen weit unter ihrem vorjährigen Höchstkurs, ohne daß sich potente Anleger dazu verleiten lassen, Philips-Aktien zu erwerben. Sie ziehen gegenwärtig Aktien von den weltbekannten Elektrounternehmen AEG und Siemens vor. Die Verstimmung gegenüber den Philips-Aktien liegt in der verfehlten Gewinneinschätzung für das Jahr 1970, wo die Verwaltung in Holland glaubte, optimistisch sein zu können, aber dann von den Ereignissen berichtigt worden ist. Schlimm sind auch die Royal-Dutch-Aktionäre dran, die entgegen aller Voraussagen zur Zeit einen ungewöhnlichen Kursverfall ihrer Aktien erleben. Dem Royal-Dutch-Konzern wird durch die sich ständig verschlechternde politische Situation in den ölproduzierenden Ländern übel mitgespielt. Das kann nicht ohne Auswirkung auf den Kurs der Royal-Dutch-Aktien bleiben.

Vor London wird gewarnt! Enttäuschende Zwischenbilanzen der großen Unternehmen und Liquiditätsschwierigkeiten wie bei British Leyland oder Verlustausweise wie bei Rolls-Royce zeigen deutlich, wohin in England die Reise gehen wird.

Ungünstig ist die Situation auch an der Mailänder Börse. Nur eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes, günstigere Gewinn- und Dividendenaussichten der Unternehmen werden wieder zu einer positiveren Beurteilung der italienischen Börse führen, urteilt das Düsseldorfer Bankhaus Poensgen, Marx & Co. in einer Börsenübersicht zum Jahresbeginn, K.W.