München

Wieder einmal wird das Vaterland gerettet vor „moralischem und geistigem Verfall“, vor „Verzichtspolitik im Osten“, vor „zunehmender Kriminalität“ und was dergleichen Parolen mehr sind. Diesmal macht’s eine selbst ernannte „schweigende Mehrheit“ des Volkes, Aber in Wirklichkeit ist’s bisher nur ein Häuflein sattsam bekannter und obskurer rechter Gschaftlhuber. Sie trafen sich aus unterschiedlichen Motiven zum Reichsgründungsjubiläum in den Fuchsenstuben des Franziskaner in München und gründeten einen Verein namens „Deutsche Volksunion“. Diese Tat verkündeten sie anschließend in einem Münchener Hotel mit dem erinnerungsträchtigen Namen „Deutscher Kaiser“.

Der Doktor Gerhard Frey, dessen rechtsextremes Blatt „Deutsche National-Zeitung“ nach Ansicht des SPD-Politikers Adolf Arndt „die Sprache der potentiellen Mörder von morgen“ spricht, ist der Anführer des Vereins. Er stellte die „Deutsche Volksunion“ (DVU) als Sammlungsbewegung der „Rechtskräfte und der politischen Mitte“ vor, die keine Partei sei. Er faltete die Hände und sprach von seiner „tiefen Sorge“ ums Vaterland. „Die 21jährige Nachkriegsgeschichte der deutschen Rechten“, klagte Frey, „ist von widerwärtigen Dschungelkämpfen geprägt.“ Da faltete auch ein Oberlandeskirchenrat namens Mertens still die Hände, um Freys „Volksunion“ mit aus der Taufe zu heben. Zu den Gründern gehört auch ein rechter Deutscher aus Franken namens Brandner, Ex-NPD-Mann und Erfinder eines „Arbeitskreises zur Förderung nationaler Politik“. Ferner marschiert ein gewisser Erwin Arlt mit, Vorsteher der „Aktion Oder-Neiße“ und Mitunterzeichner des Würzburger Gründungsaufrufs zur „Aktion Widerstand“.

So marschieren also die „Ewiggestrigen“ (so das Münchener Boulevardblatt TZ), um dem dringenden Bedürfnis nach weiter nationaler Sammlung abzuhelfen. Drei Mark Beitrag wollen sie jedem Mitglied des Vereins monatlich abverlangen. Um nationale Polemik auf ihrer Linie brauchen sie nicht besorgt zu sein. Denn zum Vereinsblatt ernannte der Doktor Frey schon vor der Gründung ein rechtes Blättchen namens Deutscher Anzeiger. Die Einnahmen aus dieser publizistischen Betätigung bleiben in der Familie. Besitzerin des Blattes: Frau Frey.

Gerhard Bartels