Mexikos neuer Staatspräsident Luis Echeverria Alvarez rief zum Sammeln: „Wir sind nahe daran, einen Erfolgsweg einzuschlagen.“ Die Durchhalteparole des seit gut einem Monat amtierenden starken Mannes galt kritischen Anmerkungen der einflußreichen Zeitung El Excelsior zum letzten Wirtschaftsbericht des Echeverria-Vorgängers Gustavo Diaz Ordaz.

Der Vormarsch zum Fortschritt, so räsonierte das Blatt, koste einen hohen Preis. Die Auslandsverschuldung des Landes sei während der sechsjährigen Amtsperiode des letzten Präsidenten um rund 60 Prozent auf beinahe drei Milliarden Dollar gestiegen. Das belaste die Außenwirtschaft. Die Defizite der Staatsbetriebe wüchsen zunehmend. Und die Wirtschaftsexpansion halte mit dem hohen Bevölkerungszuwachs nicht Schritt.

Orientiert an mittelamerikanischen Maßstäben freilich, steht Mexiko nicht einmal schlecht da. Im Gegensatz zu den meisten lateinamerikanischen Staaten hat das Land relativ stabile Preise, Der Peso (3,4 Peso = 1 Mark) zählt zu den harten Währungen der Welt. Die Wachstumsrate der Wirtschaft beträgt sechs Prozent im Jahr, und der Lebensstandard – zumindest der Bevölkerung in den industriellen Gebieten – wächst von Jahr zu Jahr.

Doch die industriellen Zentren beschränken sich noch weitgehend auf die Gebiete um Mexico City, Puebla, Monterry und Guadelajara. Ziel der neuen Wirtschaftspolitik Präsident Echeverrias ist es deshalb, mit Hilfe privater ausländischer Investoren das weite Land an die Neuzeit anzuschließen. Und das tut not: Mexiko braucht jährlich etwa 600 000 neue Arbeitsplätze, denn es zählt zu den geburtenstärksten Ländern der Welt.

Den Anreiz zu ausländischer Hilfe soll das neue Ley de Fomento geben, ein Gesetz, das Investoren in bestimmten Bereichen Steuererleichterungen über fünf bis zehn Jahre gewährt. Besonders gefördert werden sollen Auslandsinvestitionen, die zum Aufbau von Exportindustrien beitragen. Mehr Export will der Präsident, um technisches Know-how und ausländische Maschinen finanzieren zu können, ohne allzu viel Devisen zu verlieren. Echeverria: „Mit diesen Erlösen wollen wir das chronische Defizit in der Handelsbilanz Mexikos allmählich abbauen.“

Mit Lockungen geizt der Präsident nicht. So weiß er, daß besonders Infrastrukturprogramme geeignet sind, ausländische Investoren aufhorchen zu lassen. Die „Bundeskommission für Elektrizität“ soll in den nächsten sechs Jahren der Präsidentschafts-Amtszeit 26,8 Milliarden Pesos investieren. Das reicht, um das Elektrifizierungsprogramm für alle Provinzen zu erfüllen und den energiewirtschaftlichen Anforderungen einer Industrialisierung standzuhalten.

Gegenwärtig schafft Mexikos Elektrizitätsnetz eine Kapazität von 7,5 Millionen Kilowatt. Immerhin stieg in den letzten sechs Jahren der Stromverbrauch um 80 Prozent. Das Straßennetz wurde in dieser Zeit von 56 000 auf 70 000 Kilometer ausgebaut, Flugplätze im Landesinnern angelegt oder ausgebaut. Frankreich half Mexico City beim Bau eines U-Bahn-Systems. Zwei Drittel der Kosten von insgesamt 360 Millionen Dollar stellte Frankreich als Kredit mit fünfzehnjähriger Laufzeit zu vier Prozent Zinsen.