Schutzbestimmungen werden allzuoft umgangen

Von Theo Löbsack

Als man die Wäsche noch mit Kernseife wusch und mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, als das Wirtschaftswunder gar nicht denkbar schien, da waren unsere Bäche, unsere Flüsse und Seen gesund. Heute leben wir fortschrittlich. Wir leben mit weißen Riesen, mit korrodierenden Öltanks, mit anschwellenden Industrieabwässern und eklen Sickersäften, die aus Silos und Müllkippen ins Grundwasser geraten. Heute stinken unsere Flüsse zum Himmel. Die Wasserverpestung hat ein Ausmaß erreicht, das bezweifeln läßt, ob wir sie überhaupt noch unter Kontrolle bringen können.

Zum ärgsten (in der Bundesrepublik) zählen rund 60 000 vor den jetzt geltenden gesetzlichen Schutzbestimmungen in die Erde eingebaute Öltanks: Behälter, deren Wände mittlerweile brüchig geworden sind. Diese Tanks sind nach einer Warnung der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz heute soweit verrottet, daß Öl ins Grundwasser austritt – Tag für Tag. Die Folgen des auslaufenden Öls, so heißt es, brauchten sich erst nach Jahren bemerkbar zu machen, aber die Dunkelziffer der verschwiegenen Ölunfälle sei jetzt schon hoch. Zu den rund 250 000 Tonnen Salzen aller Art, die aus unsachgemäßen Müllablagerungen alljährlich ins Grundwasser sickern (DIE ZEIT Nr. 2/71), kommt also auch die Gefahr der Ölverseuchung.

Was Öl anrichten kann, zeigt nicht nur die Tatsache, daß ein Liter Öl bis zu 5 Millionen Liter Wasser ungenießbar macht. Anschauungsunterricht erteilen immer wieder ölkatastrophen wie jene vom März 1967, als das Tankschiff Torrey Canyon vor der südenglischen Küste leck schlug und 110 000 Tonnen seiner Ladung ausliefen. Ungezählte Wassertiere starben einen qualvollen Tod, und die benachbarten Küsten wurden auf unbeschreibliche Weise besudelt.

Aber von Katastrophen einmal abgesehen: Aus Schiffen aller Herren Länder werden alljährlich mindestens drei, möglicherweise bis zu zehn Millionen Tonnen Öl in die Ozeane gepumpt. Davon stammen mehr als zwei Millionen Tonnen aus Schiffen, die ihre Tanks auf offener See durchspülen und das ölige Bilgenwasser ablassen. Thor Heyerdahl, der den Atlantik im Papyrusboot überquerte, berichtete erbittert: „Zeitweise bewegten wir uns in einem Meer von Petroleum ...“

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