Von Karl-Heinz Sömisch

Der Insasse eines Autos wird bei einem Unfall nicht durch den ersten unmittelbaren Aufprall seines Wagens verletzt. Das geschieht erst, wenn er selbst mit der ursprünglichen Wagengeschwindigkeit gegen die Vorderwand seines Fahrzeugs geschleudert wird. Dieser zweite Aufprall ist schwerer als der des Fahrzeugs, da die Strecke, innerhalb der die Fahrzeuginsassen gestoppt werden, wesentlich kürzer ist. Knautschzonen und andere Vorbauten verringern die Aufprallwucht eines Kraftfahrzeugs erheblich.

Praktische Versuche haben konkrete Zahlen ermittelt: Der Aufprall auf ein stehendes Hindernis mit 60 Stundenkilometern entspricht dem freien Fall eines Autos vom vierten oder fünften Stock eines Hauses auf das Straßenpflaster. Prallt der Schädel mit 20 Stundenkilometern auf einen harten Gegenstand, so tritt mit Sicherheit Schädelbruch ein. Ab 25 Stundenkilometern wird das Brustbein zerbrochen. Für einen Lochbruch genügen bereits sieben Stundenkilometer, wenn man beispielsweise auf einen Schaltknopf oder seitlich auf den Griff eines Scheibenfensters prallt.

Der Innenraum eines Automobils muß deshalb bestimmten Sicherheitsanforderungen genügen. Keine noch so gut konstruierte Karosserie (Sicherheitszelle, Knautschzone), keine noch so sanft zupackende Bremse und kein noch so gut arbeitender Automatikgurt können bei einem Zusammenstoß vor ernsthaften Verletzungen schützen, wenn im Wageninnern überall Knöpfe, Kurbeln, Griffe und scharfe Kanten den Fahrer gefährden. Ein Blick in den Innenraum eines x-beliebigen Automobils zeigt uns, wie weit wir noch von wirklich sicheren Kraftfahrzeugen entfernt sind.

Nach Untersuchungen der Cornell-Universität (USA) war bei rund 32 000 untersuchten Pkw-Unfällen das Armaturenbrett die häufigste Verletzungsursache. Es käme also darauf an, diesen Bereich im Innenraum des Wagens so zu „entschärfen“ und so anzubringen, daß er zu keinen ernsthaften Verletzungen führen kann.

Der bekannte Heidelberger Unfallchirurg, Professor Gögler, hat aus ärztlicher Sicht zur wirksamen Entschärfung des Innenraums „großflächige, nachgiebige und glatte Anprallflächen“ gefordert. Er meint: „Bevor die gegen die Innenwandungen geschleuderten Körperteile, insbesondere Knie, Schädel, Brustkorb und Arme verformt werden, bevor alle Haut- und Weichteile durch den Anprall platzen und darunter gelegene Knochen, Gelenke und Organe bersten, sollen die gepolsterten Anprallstellen im Inneren des Fahrzeugs nachgebend

Auch hier haben die USA wieder Schrittmacherdienste geleistet: In Amerika wurde schon vor mehr als zehn Jahren ein Plastikschaum entwickelt, der die energieabsorbierende Wirkung von dem bei uns hauptsächlich verwendeten Schaumgummi um ein Mehrfaches übertrifft. Die Cornell-Forschungsgruppe stellte fest, daß ein menschlicher Schädel mit 110 Stundenkilometern gegen eine Metallplatte geschleudert werden kann, ohne daß eine ernsthafte Verletzung auftritt, wenn ein zehn Zentimeter dickes Polster aus plastischem Schaum dazwischen liegt.