In Danzig, wo die polnischen Dezember-Unruhen ihren Ausgang nahmen, ist es erneut zu Proteststreiks und -aktionen gekommen. Nach wochenlanger Unruhe legten am Montag 3000 Werftarbeiter – nach polnischen Maßstäben die höchstbezahlten Arbeiter – für etwa sechs Stunden die Arbeit nieder. Sie verlangten:

  • Freilassung noch inhaftierter Kollegen,
  • Entlassung unfähiger Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre (besonders der Politbüro-Mitglieder Kociolek und Moczar),
  • Diskussion mit kompetenten und entscheidungsberechtigten Mitgliedern der Staats- und Parteiführung (besonders mit Parteichef Gierek),
  • Zurücknahme der Auflage, die im Dezember ausgefallenen Arbeitsstunden nachzuholen.

Die Werftarbeiter hatten zu Beginn des Jahres ebenfalls Lohnerhöhungen erhalten, die aber mit höheren Produktionsnormen verbunden waren. Trotzdem haben die Streiks, denen sich am Dienstag das Personal der Danziger Verkehrsbetriebe aus Solidarität anschloß, mehr politische als wirtschaftliche Hintergründe: Die Arbeiter verlangen, daß die fällige Reorganisation nicht über ihre Köpfe hinweg durchgeführt wird.

Für die Rechte und Forderungen der Arbeiter hatte sich schon Kardinal Wyszynski zur Jahreswende energisch eingesetzt.