Die Ankündigung ist ebenso nüchtern wie nichtssagend: „Taschenbücher“, so steht es schwarz auf grün im jüngsten Prospekt des Rowohlt Taschenbuch Verlags, „können nicht länger Mischkalkulationen unterworfen werden; sie müssen zukünftig individuell und marktgerecht kalkuliert werden.“

Mit diesem trockenen Kaufmannsdeutsch wird umschrieben, was Buchhändler und Buchkäufer schon vom Mai dieses Jahres an in der Kasse spüren werden: Viele Rowohlt-Bücher werden teurer. Deutschlands erster und immer noch größter Taschenbuchverlag (Umsatz 1970: 16 Millionen Mark, Marktanteil 28 bis 32 Prozent) gibt damit das Startzeichen zu einer Entwicklung, die in absehbarer Zukunft das Preisgefüge des gesamten Taschenbuchmarktes verändern kann.

Mehr kosten werden künftig die Originalausgaben und die deutschen Erstausgaben, jene Bücher also, die speziell für den Taschenbuchverlag geschrieben werden oder dort zum erstenmal in deutscher Sprache erscheinen. Diese Ausgaben machen einen wachsenden Anteil des Taschenbuchangebots aus. Bei Rowohlt beträgt er zur Zeit etwa 40 Prozent, in der Fischer-Bücherei sogar 50 Prozent. Dabei handelt es sich vor allem um wissenschaftliche und Sachbücher, seltener um schöngeistige Literatur.

Solche Bücher verursachen wesentlich höhere Kosten als normale Lizenzausgaben, bei denen – gegen eine Gebühr von zumeist fünf Prozent des Verkaufspreises für jedes verkaufte Buch – bereits vorhandene Werke einfach nachgedruckt werden. Bei deutschen Erstausgaben fallen dagegen außer den Lizenzgebühren noch Übersetzungs- und Bearbeitungskosten an, bei Originalausgaben entstehen Personalkosten für Redakteure und Herausgeber. Außerdem muß Taschenbuchautoren wegen der niedrigen Verkaufspreise das Honorar (in der Regel auch fünf Prozent) für eine bestimmte Auflage garantiert werden – gleichgültig, ob alle Exemplare verkauft werden oder nicht.

Diese Kosten legen fast alle deutschen Taschenbuchverlage bisher auf die gesamte Produktion um. Nicht die Produktionskosten des einzelnen Buches, sondern sein Umfang bestimmte seinen Preis. Ein Einfachband mit etwa 160 Seiten kostete bisher 2,80 Mark, unabhängig davon, ob für ihn nur Druck- und Lizenzgebühren oder auch andere Honorare bezahlt werden mußten; unabhängig auch davon, ob das Buch mit 10 000 oder mit 40 000 Exemplaren aufgelegt wurde. Stiegen die Kosten insgesamt, wurden auch die Preise erhöht: für alle Bücher und Preisklassen um denselben Betrag.

Diese Mischkalkulation schafft der Rowohlt Verlag nun ab. Denn der scharfe Wettbewerb der Taschenbuchverlage untereinander und mit anderen Medien erlaubt es nicht mehr, die steigenden Kosten durch Preiserhöhungen für alle Taschenbücher aufzufangen. Dann würde nämlich auch die auflagenstarke und gewinnträchtige Lizenzbelletristik teurer werden, die immer noch die Hälfte der Taschenbuchtitel ausmacht und den Verlagen die sichere Basis bietet.

Bei Rowohlt soll künftig für jedes einzelne Buch eine kostendeckende Kalkulation erstellt werden, in die Produktionskosten und Auflagenhöhe einbezogen sind. Das wird zur Folge haben, daß beispielsweise ein Buch über Biochemie, das aus dem Amerikanischen übersetzt und mit Blick auf den deutschen Markt bearbeitet werden muß und nur mit 18 000 Exemplaren aufgelegt wird, bei nur 160 Seiten 4,80 Mark kosten kann. Ein dicker Roman dagegen, für den nur Lizenzgebühren entrichtet werden müssen und der mit 30 000 Exemplaren erscheint, kann statt 4,80 in Zukunft nur 3,80 DM und bei mehreren Auflagen theoretisch noch weniger kosten.

Heidi Dürr