Um eine Revolution zu ernten, mußte man früher Jesuiten säen; heute genügen ein paar statistische Daten.

A. N. Nowaczynski

Vom Betragen in Baden-Württemberg

Der Pressereferent des Kultusministers von Baden-Württemberg hielt es für mitteilenswert, sein Minister beabsichtige nicht nur, die „Betragen“-Zensur für Schüler von der zehnten Klasse aufwärts (also beinahe im Wähler- und Bundeswehr-Alter) abzuschaffen. Diese Zensur ist in anderen Ländern längst abgeschafft. Aber in Baden-Württemberg soll noch weiter gegangen werden. Die Betragenszensur, die das Ministerium „obrigkeitlich anmutet“, soll (bis zur neunten Klasse) nunmehr „zeitgemäß gestaltet“ werden, indem an ihre Stelle eine Zensur im „Verhalten“ tritt. Sollte unser Gewährsmann „sga. Stuttgart“, dessen Meldung stolz als „eigener Bericht“ gekennzeichnet ist, da nicht alles mißverstanden haben, so wäre dies freilich ein Musterbeispiel für einen sich seit langem schon aufdrängenden Verdacht: Die Reform wird im Verbalen geleistet. Dieses Betragen oder Verhalten wäre mit Sechs zu benoten.

Wer ist der Größte?

Welches sind die größten deutschen Buchverlage? Suhrkamp vielleicht, wo doch in allen Intellektuellenregalen die Regenbogenfarben der „edition suhrkamp“ schimmern? Oder Bertelsmann? Oder die Olympia-Porno-Press? Oder irgendein Unbekannter, der auf den „Nebenwegen“ des Vertriebs das große Geschäft macht? Nach Kontroversen um die von einigen internen Pressediensten kürzlich veröffentlichten Umsatzlisten hat nun der junge Dortmunder Buchhandels-Informationsdienst Buchreport versucht, der Wahrheit nahezukommen – mit partiellem Erfolg nur, was aber nicht am Buchreport liegt, sondern an der genierten Weigerung etlicher Verlage, Umsatzzahlen zu nennen. Nach dieser Liste (die Druckereien, Buchgemeinschaften und Servicebetriebe in allen Fällen außer acht läßt) ist der größte deutsche Buchverlag der Fachverlag Julius Springer mit 75 Millionen Mark Jahresumsatz; dann folgt die Verlagsgruppe Bertelsmann mit 53 Millionen, dann die beiden Rowohlt Verlage mit 25 Millionen, dann Kohlhammer mit 25 Millionen, dann die Holtzbrinck-Verlagsgruppe (S. Fischer, Fischer Bücherei, Goverts, Krüger, Stahlberg) mit 22,8 Millionen, wobei die beiden Fischer-Verlage mit 20 Millionen den Löwenanteil halten, dann Mairs Geographischer Verlag (einschließlich Baedeker) mit 22 Millionen. Es folgen Droemer Knaur, Herder, Westermann, das Bibliographische Institut, Axel Springers Ullstein Verlag, die Deutsche Verlags-Anstalt, Thieme, Luchterhand, Hoffmann und Campe, die Econ-Gruppe (Econ, Claassen, Marion v. Schröder), der Deutsche Taschenbuchverlag und Goldmann. Zählte man auch die Heftchenproduktion mit, so würde die Verlagsgruppe Lübbe ungefähr an dritter Stelle erscheinen. Was glänzt, muß also nicht Gold sein; und nicht alles Gold glänzt.

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