Einen Tag nach der Urteilsverkündung sind am Montagmorgen vier der 58 "Feinde des guineischen Volkes" durch den Strang hingerichtet worden. Radio Conakry meldete dazu, die Vollstreckung sei ein "wahres Volksfest" gewesen.

Nach einem Schauprozeß, in dem den Beschuldigten keine Verteidigung zugestanden wurde – als Hauptbeweise dienten Tonbänder mit angeblichen Geständnissen –, fällte die Nationalversammlung als oberstes Revolutionsgericht die Urteile. Gegen 58 festgenommene Afrikaner und 34 abwesende Guineer (darunter 12 "Veteranen" der Armee) wurde die Todesstrafe verhängt. Zu lebenslänglicher Zwangsarbeit wurden 72 Beschuldigte verurteilt, darunter der bereits verstorbene Westdeutsche Hermann Seibold, dessen angeblicher Selbstmord noch nicht aufgeklärt ist, und der 34jährige Westdeutsche Adolf Marx. 17 Personen wurden ausgewiesen.

Alle Verurteilten sollen an der gescheiterten Invasion vom 22. November 1970 direkt oder indirekt beteiligt gewesen sein.

Das harte Urteil gegen Marx wurde in Bonn mit Bestürzung aufgenommen. Bundespräsident Heinemann hatte in der vorigen Woche telephonisch Guineas Präsidenten Sekou Touré gebeten, im Falle Marx nichts zuzulassen, was nicht ungeschehen zu machen sei. Die Bundesregierung wartet noch immer auf die versprochenen Unterlagen, die eine Beteiligung der beiden Westdeutschen an der Invasion belegen. Ein in Conakry verlesenes Dokument, nach dem Bonn in den Invasionsversuch verwickelt war, wurde vom Auswärtigen Amt als Fälschung bezeichnet.

Bonn hat inwischen die Entwicklungshilfe für Guinea eingestellt. Es wird damit gerechnet, daß Conakry in den nächsten Tagen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik bekanntgibt.