Zu Wochenbeginn reisten Bundeskanzler Brandt und Außenminister Scheel mit einer Delegation zu den deutsch-französischen Konsultations-Gesprächen, die turnusmäßig alle sechs Monate stattfinden, nach Paris. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Pläne für eine Wirtschafts- und Währungsunion der sechs EWG-Staaten.

Staatspräsident Pompidou hatte am Donnerstag vor dem Treffen auf einer Pressekonferenz die französischen Vorstellungen umrissen, die von dem Werner-Plan, hinter den sich Bonn stellt, in entscheidenden Punkten abweichen. Frankreich ist grundsätzlich bereit, eine europäische Konföderation herbeizuführen. Die Bedingungen sind: Keine Preisgabe von Souveränitätsrechten, Vetorecht der Mitglieder, keine Festlegung auf einen Zeitplan, sondern ein Vorgehen in Etappen, und Bildung eines europäischen Parlaments erst nach Schaffung einer europäischen Regierung.

Die Differenzen über die künftige Europapolitik konnten in den drei Gesprächen zwischen Brandt und Pompidou nicht vollständig beigelegt werden. Französische Regierungskreise sprachen zwar von einer Annäherung der Standpunkte, die aber mehr das Ziel als den Weg dorthin beträfe.

Beide Seiten bemühten sich, auf der abschließenden Pressekonferenz die positiven Seiten der Konsultationen hervorzuheben. Es gebe keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten mehr; Brandt und Pompidou seien übereingekommen, in der Frage der Wirtschafts- und Währungsunion "pragmatisch" vorzugehen.

Die Konsultationen haben zu drei bilateralen Vereinbarungen geführt. Danach werden der Französisch-Unterricht an deutschen Schulen gefördert und die technische Zusammenarbeit der beiden Länder verstärkt. Außerdem sollen Experten noch vor dem nächsten Konsultationstreffen Einzelthemen vorbereiten.