Die CDU hat den Machtwechsel in Bonn lange für eine Art historischen Betriebsunfall gehalten, der sich rasch beheben lasse. Eine Weile setzte sie auf den Bundesrat, um die linksliberale Koalition zu Fall zu bringen; dann hoffte sie, dies könne bei den Bundestagsabstimmungen in offener parlamentarischer Feldschlacht gelingen; schließlich erwartete sie das Heil von den Landtagswahlen. Eine Hoffnung nach der anderen trog. Am Schluß sah die Opposition ein, daß ihr nur eines bleibt: die Präsentation eines Programms und einer Führungsmannschaft. In Düsseldorf hat die Union wenigstens die Programmdiskussion überstanden. Die Entscheidung, wer die Partei führen soll, ist aber noch nicht endgültig gefallen.

Mit dem Programm können die Delegierten einigermaßen zufrieden sein. Es ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als das anderer Parteien. Volksparteien haben sich selten durch strahlende Leuchtkraft und logische Durchsichtigkeit in der Programmatik ausgezeichnet; auch die CDU macht da keine Ausnahme. Das Programm ist allerdings in einem Punkt deutlidi: Die CDU lehnt alles ab, was entfernt als Sozialismus oder staatlicher Dirigismus gedeutet werden könnte. Wenn es einen Verlierer auf dem Parteitag gab, so war es der linke Flügel der CDU.

Ein guter Politiker kann mit dem Programm arbeiten; es läßt Spielraum genug. Die Stimmung in der Partei freilich ist deutlicher. Strauß hat sie vorweggenommen: Kein Abweichen vom rechten Weg der sozialen Marktwirtschaft und Ablehnung der Ostpolitik der Bundesregierung. Rainer Barzel trug dieser Stimmung Rechnung und legte damit wieder ein Stück Weg zur Kanzlerkandidatur zurück. Die Mitbewerber sind zurückgefallen. Die Partei scheint sich teils aus Überzeugung, teils aus Mangel an Alternativen mit ihm abzufinden (siehe auch Seite 4). R. Z.