Die Krise des Commonwealth, ausgelöst durch Londons Absicht, wieder Waffen an Südafrika zu liefern, ist nur vertagt, nicht überwunden worden. Nach neun Tagen stürmischer Verhandlungen schloß am Wochenende in Singapur die Konferenz der 31 Mitgliedstaaten mit der Verabschiedung einer Kompromißformel. Danach soll kein Commonwealth-Mitglied Staaten, die rassische Diskriminierung betreiben, Hilfe gewähren, die "gemäß seiner eigenen Beurteilung" zur Konsolidierung einer, solchen Politik beiträgt. Außerdem setzte die Konferenz eine achtköpfige Studiengruppe ein, die den Komplex "Sicherheit im Indischen Ozean" untersuchen wird.

Die Differenzen sind damit nicht beigelegt. Premierminister Heath kündigte unmittelbar nach Konferenzende an, daß er sich nicht verpflichtet fühle, die geplanten Waffenlieferungen abzusagen oder auch nur zu verschieben. Streng nach der Kompromißformel, die in der einstimmig beschlossenen "Commonwealth-Deklaration" enthalten ist, kann London die Lieferung von Kriegsschiffen an Pretoria nicht untersagt werden, wenn damit die britischen Schiffahrtswege im Indischen Ozean geschützt werden sollen.

Die afrikanischen Staaten – voran Sambia, Tansania und Uganda – haben jedoch keinen Zweifel gelassen, daß eine Lieferung noch während der Beratungen über die "Sicherheit im Indischen Ozean" ein Affront sei, der sie zum Austritt aus der Völkerfamilie veranlassen könne. Heath hofft, die afro-asiatischen Fachleute in der Studiengruppe durch sachliche Argumente umzustimmen; die Gegenseite rechnet damit, daß die konservative Regierung während der Beratungen, die zeitlich nicht begrenzt wurden, ihren Standpunkt ändert.

Obwohl die Konferenz nicht mit dem Bruch endete, den viele Beobachter zum Schluß befürchteten, ist die Zukunft des Commonwealth ungewisser denn je. In den Diskussionen wurde deutlich, daß die Interessen Englands und des Commonwealth weit auseinandergehen und daß Großbritannien in seinen Absichten kaum Unterstützung findet. Der gereizte Ton, mit dem die Probleme zuletzt behandelt wurden, wird jedoch zu einem guten Teil dem Auftreten Heaths zugeschrieben. Das Verhalten des Premiers wurde von Konferenzteilnehmern und von der oppositionellen Labour Party als "arrogant" und "überheblich" bezeichnet.

Heath hatte in Singapur den festen Willen seiner Regierung unterstrichen, englische Interessen nicht länger entgegengesetzten Wünschen des Commonwealth unterzuordnen. Nach seinen Worten mangele es besonders den afrikanischen Mitgliedern an der Bereitschaft, Londons Sorgen und Argumente unvoreingenommen zu prüfen. Vor dem Konferenzplenum hatte er verärgert erklärt, er wundere sich nach der vorgebrachten Kritik, weshalb einige Commonwealth-Länder überhaupt eine Verbindung mit Großbritannien wünschten und erwarteten, London werde ihre Sorgen bei den Beitrittsverhandlungen zur EWG berücksichtigen.

Die farbigen Mitgliedstaaten hatten dem Premierminister dagegen vorgeworfen, seine fehlende Kompromißbereitschaft und sein selbstbewußter Ton zerstörten die Grundlagen des Commonwealth. Man müsse – so Ugandas inzwischen gestürzter Präsident Obote – die Völkerfamilie "vor der britischen Politik retten". London scheine bereit, seinen ehemaligen Kolonien jetzt den Rücken zu kehren – eine Interpretation seines Auftretens, der Heath nicht entgegengetreten ist.