Was Politikern trotz wiederholten Anlaufs bisher nicht gelungen ist, schafften Verleger durch eine Zeitungsfusion: die Beseitigung der Landesgrenzen im Rhein-Neckar-Raum. Zu Kooperation und Kapitalverflechtung bereit stehen die Rheinpfalz in Ludwigshafen (Auflage: 200 000 Exemplare) und der rechtsrheinische Mannheimer Morgen, Pflichtblatt der Stuttgarter Wertpapierbörse, der mit seinem Dutzend Kopfblättern auf 170 000 Exemplare kommt.

Damit wird bald die tägliche Information zwischen Saarland und Schwaben im wesentlichen aus einem Hause geliefert. Die politische Richtung ist unverkennbar: Während sich Morgen-Chefredakteur Karl Ackermann vom Linksaußen zum Bürgerlichen gewandelt hat, sagt man der Rheinpfalz nach, zwischen ihren Zeilen höre man die Speyrer Domglocken läuten.

Der liquide Rheinpfalz-Verleger Schaub, vor einem Jahr bei seinem Werben um die Saarbrücker Zeitung von der Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe ausgeschaltet, bringt damit System in seine Beteiligungen. Er hält bereits 27,5 Prozent an der Stuttgarter Zeitung, die er im Februar 1970 von der Familie Bosch erwarb.

Sein Einfluß wird damit (über eigene Blätter und Beteiligungen am Landauer Tagblatt und der Kaiserslauterer PfälzischenVolkszeitung) von der Hinterpfalz bis Franken und Nordwürttemberg reichen. Es wäre zudem denkbar, daß die Beteiligung der Hannoverschen Allgemeinen an der Stuttgarter Zeitung eine Ausdehnung der Kooperation nach Norden möglich macht.

Auch andere Medien sind bereits erschlossen: Die Rheinpfalz hat vor kurzem damit angefangen, zweimal täglich regionale Fernsehnachrichten zu senden.

Am 2. Februar soll der kurpfälzische Pakt geschlossen werden. Zunächst angestrebtes Fernziel: die Produktion einer einzigen Zeitung, die diesseits und jenseits des Rheins mit verschiedenem Titel erscheinen soll. Da beide Häuser je die Hälfte des Kapitals von vier Millionen Mark einbringen, wird der Begriff des Aufkaufs von allen Beteiligten zurückgewiesen.

Klaus-Peter Schmid