Nach der lex leonis, aufgestellt in dieser Zeitung am 30. Januar 1970, müßte von einem "drittelparitätisch", das heißt zu gleichen Teilen aus Professoren, Assistenten und Studenten besetzten Wahlgremium, in dem sich die "Wahlmänner" als Delegierte ihres Standes fühlen, immer ein Assistent als Präsident gewählt werden. In Frankfurt wurde von einem solchen Gremium am 21. Januar der Professor für Wirtschaftswissenschaften Erhard Kantzenbach gewählt.

Wie ist das zu erklären?

Nicht dadurch, daß es die "reine Drittelparität" weder in Hessen noch in Hamburg noch An Berlin gibt. In Hessen setzt sich die Wahlversammlung (Konvent) zusammen aus 27 Professoren, 27 Assistenten (eine heterogene Gruppe, die alles umfaßt, was nicht mehr Student und noch nicht als Professor berufen ist), 27 Studenten und 9 nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern.

Auch nicht dadurch, daß den Studenten nur 21 Vertreter zugebilligt, wurden, da nur 47,4 (statt der vom Gesetz geforderten 50) Prozent sich an der Wahl beteiligt hatten.

Denn auch. wenn die fehlenden 6 Studenten alle dem Gegenkandidaten ihre Stimme gegeben hätten, hätte das an der Mehrheit für Kantzenbach nichts geändert – sie hätte 48:40 statt (so das wirkliche Wahlergebnis) 48:34 betragen.

Freilich: Wenn nicht Professor Kantzenbach, sondern sein Gegenkandidat gewählt worden wäre, dann wäre die Wahl auf den Berliner Politologen Hans-Hermann Hartwich gefallen – und auch er ist ein ordentlicher Professor.

Wo jedoch nur Professoren zur Wahl stehen, kann die lex leonis kaum zutreffen.