Bei den Nahost-Friedensgesprächen unter Vermittlung des UN-Beauftragten Jarring zeichneten sich in der letzten Woche einige minimale Fortschritte ab. Die inzwischen von Kairo und der französischen Zeitschrift Jeune Afrique veröffentlichten Vorschläge beider Seiten (siehe auch Dokumente der ZEIT) bekräftigen noch einmal die bekannten Standpunkte, lassen aber in wichtigen Punkten Kompromißbereitschaft erkennen. Darauf und auf den Umstand, daß die Tür zu Verhandlungen nicht zugeschlagen wurde, gründet sich der vorsichtige Optimismus in der Umgebung Jarrings.

Jerusalem reagierte zunächst verstimmt auf die Publikationen. Damit sei die vereinbarte Vertraulichkeit durchbrochen worden. Mehr noch stört aber die israelische Regierung der Empfänger des Kairoer Sechs-Punkte-Planes, der Vorsitzende des UN-Sicherheitsrates. Ministerpräsidentin Golda Meir will eine neue Sicherheitsresolution verhindern, die eindeutigere und für Israel verpflichtendere Formulierungen enthalten könnte.

Der Sechs-Punkte-Plan wiederholt in den Absätzen 1 bis 3 die bekannten arabischen Forderungen, benutzt aber in Punkt 5 Wendungen, die bisher nur von israelischer Seite vorgetragen wurden.

Golda Meir lehnte im Freitag letzter Woche eine internationale Truppe zum Schutz zukünftiger Grenzen ab, da eine solche Streitmacht niemals ein Ersatz für "sichere, haltbare und anerkannte Grenzen" sein könne. Diese Antwort umging zwei ägyptische Aussagen: Einmal sei die "Souveränität, Integrität und Unabhängigkeit" aller Nahost-Staaten zu garantieren. Zum anderen verzichtete Kairo auf die Forderung, Israel müsse erst die besetzten Gebiete räumen, dann könnten die übrigen Bestimmungen der UN-Resolution durchgeführt werden.

Kairo unterlief auch die israelische Warnung, es werde nie einem Schritt zustimmen, der mit der Drohung erzwungen werde, nach dem 5. Februar, dem Ende des Waffenstillstands, das Feuer wieder zu eröffnen. Ägypten kündigte nun an, es verstehe sich zu einer Verlängerung der Waffenruhe, falls die vier Großmächte durch "klare und gezielte Direktiven" die Aufgabe Jarrings unterstützen würden.

Israels Verhandlungsziel wird aus dem Passus deutlich: "Rückzug der Streitkräfte hinter die im Friedensvertrag vereinbarten Positionen." Jerusalem wünscht eine durch Jarring vermittelte direkte Verständigung, während Ägypten die Großmächte einschalten möchte. Die arabische Verhandlungslinie wurde auf einem Gipfeltreffen der "Tripolis-Allianz" – Ägypten, Libyen, Sudan und Syrien –, das in der vorigen Woche in Kairo stattfand, noch einmal bekräftigt.