Djakarta, im Januar

Von dem Hotel, in dem ich wohne, werden erst die unteren Stockwerke benutzt. Der obere und weit größere Teil ist noch im Rohbau. "Wer baut denn hierzulande solch ein Hotel, wem gehört es?" fragte ich. Antwort: "Es gehört der Armee."

"Der Armee? Irgendeinem Offizier, vielleicht einem General – oder wirklich der Armee?"

"Beides kann sein. In diesem Fall ist der Unternehmer ein Offizier in Gemeinschaft mit einem Geschäftsmann."

Der Indonesier, der mein Staunen bemerkte, setzte hinzu: "Die Armee dient bei uns nicht nur der Verteidigung und führt die Regierung, sie ist auch als Unternehmer tätig. Ihr gehören Fabriken, Banken, Import- und Exportunternehmen, ja sogar Nachtlokale." Kapitalismus, von einer Militärkaste betrieben – das ist tatsächlich nichts Alltägliches. Noch überraschender schien mir die Tatsache, daß die Armee-Einheiten sich aus der jeweiligen Region, in der sie stationiert sind, nicht nur fouragieren, sondern durch allerlei geschäftliche Tätigkeit auch finanzieren.

Diese eigentümliche Rolle der indonesischen Streitkräfte hängt vor allem mit ihrer besonderen Tradition zusammen. Sie waren es, die dem Lande die Freiheit erkämpften, und darum hat das Volk sich ihnen auch immer besonders verbunden gefühlt. Sie sind aus kämpfenden Organisationen entstanden, die von Parteien oder einzelnen Widerstandsgruppen gegründet, von Holländern, Japanern oder auch von gar niemandem ausgebildet wurden. Sie rekrutierten sich aus Nationalisten, Partisanen, Idealisten und Abenteurern. Das Volk empfand diese Soldaten, die ihren Reis nahmen, wo sie ihn fanden, als die Vollstrecker seiner Wünsche, als den Ausdruck des nationalen Selbstbewußtseins. Dies war so bis zur Unabhängigkeitserklärung im August 1945, und dies blieb so bis 1950, als die Holländer schließlich einsahen, daß es keinen Zweck hatte, gegen den Willen des Volkes noch länger im Land zu bleiben.

Seither ist eine neue Generation von Offizieren herangewachsen, ausgebildet auf der Militärakademie, auf Stabs- und Kommandoschulen, wo Universitätsprofessoren sie auch in Ökonomie, Politologie und Ideologie unterrichten. Fast alle hohen Offiziere haben überdies in Europa oder Amerika an Spezialkursen teilgenommen, so daß da in der Tat eine Klasse entstanden ist, die selbst nach Meinung kritischer Intellektueller weit besser ausgebildet ist als beispielsweise die Politiker des Landes.