Nicht zufällig hatte der Kanzler ihnen in seiner Regierungserklärung ein Plätzchen an der staatlichen Sonne eingeräumt (zwischen den Heilberufen und dem Bildungsurlaub): den Frauen dieser Bundesrepublik, denen, so das Kanzler-Wort, vom dieser Regierung dabei geholfen werden soll, "ihre gleichberechtigte Rolle in Familie, Beruf, Politik und Gesellschaft zu erfüllen". Daß man die gleichberechtigten Rollenträgerinnen bisher in fahrlässiger Weise den Waschmittelfabrikanten überlassen hat, haben nämlich inzwischen sogar die Politiker (vielmehr: die Parteien) gemerkt.

Wie diese Entwicklungshilfe aussieht und, was beinahe wichtiger ist, wie man sich diejenigen, denen solche Hilfe zugute kommen soll, vorstellt, darüber können sich die Hilfsbedürftigen und andere Interessierte jetzt informieren durch eine PZ genannte Zeitung, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird.

Die Bundeszentrale, so ist in einer Redaktionsnotiz zu lesen, "betreibt politische Aufklärung". PZ, so war zu erfahren, wird sich in jedem Heft einem anderen Schwerpunktthema widmen und "politische Bildung auf ungewöhnliche Art" betreiben.

Im Falle der den Frauen gewidmeten PZ Nr. 1 findet politische Aufklärung auf ungewöhnliche Art so statt: Geboten werden auf 32 Seiten im Illustriertenformat leitbildartig übers Heft verstreute Photos von Charles Wilp, der Mann und Frau und Hundehalsband immer wieder neu zu arrangieren weiß (merke: Abhängigkeiten); silberne Worte zum Thema von Roy Black und Katharina Focke, Kuli und Beate Uhse, Werner Höfer und Marianne Koch zum Beispiel (von PZ-Sonderberichterstattern zwischen Flensburg und Salzburg erhascht); goldene Worte von Betty Friedan zum Beispiel (aus einem wohlbekannten Buch nachgedruckt, so etwas kommt schließlich nicht aus deutschen Landen und daher leicht ranzig auf den Tisch); ein paar Reportagen, wie das Leben sie so schreibt (aus dem Nahschnellzug von Wanne-Eickel, Ziel leider unbekannt, der zum Thema Kindererziehung herhalten muß, oder aus dem Heim von Uwe Seeler, der doch findet, daß keiner in der Familie zu kurz kommen darf).

All das wird serviert in einem Gewand, bei dessen Herstellung die Schnittmuster von Bild am Sonntag, St. Pauli Nachrichten und der Drogisten Zeitung multipliziert wurden. Endprodukt: 200 000 PZ.

Ein Produkt ist ein Spiegelbild seiner Verbraucher (denn niemand kann es sich leisten, an diesen vorbeizuproduzieren). Und die Frauen, denen PZ in höchstem Auftrag Trost, Rat und Mut spenden will, wissen nach der Lektüre dieses Blattes in der Tat besser denn je, was es mit ihnen auf sich hat, woran sie sind. Mit altem Ramsch und neuem Schmus wird ihnen das hübsche Hirn verkleistert, damit sie nur nicht auf die Idee kommen, einmal nachzufragen, was denn nun wirklich geschehen ist seit der Regierungserklärung. Die lang versprochene Enquête zur Situation der Frau? Wer wird denn gleich so konkret werden! Schließlich kommen erst noch die Rentner und die Studenten, die Umsiedler und die Bauern, die Einwohner von Conakry und die Dentisten. Für die Frauen gibt’s solange PZ. Wie man die Dinge kennt: als Dauerlutscher.

Petra Kipphoff