Die Nachrichten aus Guinea machen schaudern. Erst das Tribunal im Sportstadion, eine finstere Justizgroteske. Dann die gesteuerten Ausbrüche des Volkszorns, das Geifern der Demagogen wie Sekou Tourés Halbbruder Ismael: "Für Kompromisse ist kein Raum mehr. Ihr habt den Feind in Händen. Vernichtet das Ungeziefer! Und schließlich, schreckliches Finale, Hinrichtungen – als Volksfest.

Manche junge Staaten, so scheint es, lernen nur schwer aus den Fehlern und Verirrungen der alten Nationen. Sie wollen ihre eigenen Tollheiten begehen, wollen ihren eigenen Barbareien verfallen. Es ist ein tragischer Umweg zur Höhe der Zivilisation. Die ihn einst selber durchschritten haben, dürfen sich durch die Erinnerung an eigene Grausamkeit nicht den Protestschrei im Halse ersticken lassen. Wo Menschen menschlich fühlen, müssen sie ihre Stimme gegen gefühllose Despoten erheben.

Wenn es einen Lichtblick gibt in der Finsternis der guinesischen Greuel, dann diesen: daß Menschen aller Rassen unter jenen sind, die den Henker von Conakry anklagen. Menschlichkeit ist so wenig wie Unmenschlichkeit eine Sache der Hautfarbe. Th. S.