Von Werner Höfer

Hätten in Guinea die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse geherrscht, zu deren Herstellung die Entwicklungshilfe beitragen möchte, wäre es kaum zu den erschreckenden Ereignissen von Conakry gekommen" – so Erhard Eppler, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit in einem Gespräch mit der ZEIT. Er sieht unsere Entwicklungshilfe dabei keineswegs grundsätzlich in Frage gestellt, wie ja auch der diplomatische Dienst angesichts der Entführung oder gar Ermordung von Botschaftern nicht prinziell verworfen werde.

Bei aller Bestürzung über den Tod Hermann Seibolds und das unmenschliche Urteil gegen Adolph Marx bleibt Bonn nüchtern: Es handelt sich um Ausnahmefälle. Diesmal kamen die Schwierigkeiten entgegen jeder sonstigen Erfahrung "von oben". Bei annähernd vergleichbaren Vorgängen, wenn Vertreter der deutschen Entwicklungshilfe in Situationen geraten waren, die sie für das Regime des Entwicklungslandes subjektiv oder objektiv mißliebig machten, sind diese Landsleute unauffällig abberufen und versetzt worden. Jedwede politische Betätigung, auch und erst recht für einen Nachrichtendienst, ist den Entwicklungshelfern ohnehin streng untersagt.

Indessen haben die Bemühungen um die Sicherheit der westdeutschen Entwicklungshelfer neue Impulse bekommen. Eppler plant, den Helfern Vorrechte zu verschaffen, die dem diplomatischen Status nahekommen und etwa dem entsprechen was den UN-Experten an Schutz gewährt wird: Schutz gegen Festnahme und Inhaftierung, gegen Beschlagnahme des persönlichen Gepäcks und gegen gerichtliche Verfolgung "im Zusammenhang mit mündlichen oder schriftlichen Äußerungen bei der Ausübung ihres Auftrages"; Zusicherung der Unverletzlichkeit aller Schriftstücke und der Benutzung eines Chiffrier-Codes sowie des Kurierdienstes, Gewährung der gleichen Währungs- und Devisenvergünstigungen, wie sie den Diplomaten zugestanden werden.

Wie derlei Vorrechte durchgesetzt werden sollen? "Im ungünstigsten Falle durch bilaterale Abmachungen mit dem jeweiligen Entwicklungsland; im günstigsten Falle durch eine allgemein verbindliche Charta, etwa im Zusammenwirken mit dem UN-Entwicklungsprogramm, dessen Leiter Paul Hoffmann ich in der nächsten Woche in New York sehen werde."

Guinea ist nicht repräsentativ für die Dritte Welt, Sekou Touré nicht typisch für Bonns Partner in den Entwicklungsländern. Dies rechtfertigt Epplers Erklärung: "Wir haben nicht den Eindruck, mit unserer Politik in eine Krise geraten zu sein. Wir werden schon bald das ausgefeilteste und methodisch klarste Konzept einer modernen Entwicklungshilfe vorlegen, das es bisher in Deutschland und weit darüber hinaus gab. Auf die von der UN entworfene ‚Strategie für die zweite Dekade‘ haben wir uns gründlich vorbereitet – nicht zuletzt durch eine Umorganisierung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Es kommt nun vor allem darauf an, das gesamte vielfältige Instrumentarium der Entwicklungshilfe nicht mehr isoliert, sondern integriert wirksam werden zu lassen, in einer langfristigen, länderbezogenen und international abgestimmten Programmierung."

Ein erstes ermutigendes Übereinkommen nach dem Muster dieser "konzertierten Entwicklungsaktion" bahnt sich – ein Gegenbeispiel zu dem vorerst gescheiterten Unternehmen Guinea – mit einem anderen afrikanischen Lande an: mit Ghana.