Das monatelange Tauziehen um den Intendantenposten des Westdeutschen Rundfunks ist beendet. Für die nächsten fünf Jahre heißt der Chef der größten deutschen Sendeanstalt wieder Klaus v. Bismarck. Wie von Ministerpräsident Kühn angekündigt, wurde er mit den Stimmen der SPD und FDP im Verwaltungsrat gewählt. Mit knapper Mehrheit bestätigte der Rundfunkrat die Entscheidung.

Überraschen konnte dieses Ergebnis niemanden mehr. Gemessen an dem Aufwand, mit dem die Parteien und die Belegschaft des WDR den Intendantenwahlkampf führten, bleibt es allerdings mager. Denn vorgestellt hatten sich alle Interessengruppen erklärtermaßen etwas ganz anderes: mindestens einen Supermann, am liebsten ein Genie. Bei diesen Ansprüchen gerierte sich die SPD noch als umworbener Personalchef, bei dem qualifizierte Kandidaten aus der Welt des Geistes mit passender politischer Gesinnung Schlange stehen. Um so peinlicher war deshalb, daß es ihr am Ende nicht gelang, auch nur einen einzigen ernsthaften Kandidaten außer Bismarck auf die Beine zu stellen.

Ratsam wäre eine Manöverkritik auch für die Angestellten des WDR. Zum ersten Male hatten sie sich mit in die Intendantenwahl eingeschaltet und Mitbestimmung gefordert. Abgesehen davon, daß sie nur so spielen konnten "als ob", da das geltende Rundfunkgesetz ihnen kein Mitbestimmungsrecht einräumt, waren auch sie nicht in der Lage, sich wenigstens pro forma auf einen Kandidaten zu einigen und ein Votum abzugeben. Dafür machten sie die für manch einen ernüchternde Erfahrung, daß der Hang, bei derlei Gelegenheiten private Suppen gleich mitzukochen, keineswegs nur auf die Zirkel der Politiker beschränkt ist. In der Bredouille, in der sie alle sich am Ende befanden, sind sie mit dem alten, neuen Intendanten noch gut bedient worden.

Ein dankbares Spekulationsobjekt bleibt nun nur noch Werner Höfer, der eigentlich unterlegene Kandidat, obwohl er für die Wahl selber dann gar nicht kandidierte. Daß er Konsequenzen ziehen wird, wird als sicher angenommen, Welcher Art sie sein werden, steht noch dahin.

Nina Grunenberg