Woche für Woche veröffentlicht das Pentagon die amerikanischen Gefallenenlisten. Niemand zählt die Bauern, Frauen, Kinder, die seit sechs Jahren der amerikanischen Kriegsmaschine in Indochina zum Opfer fallen. Doch von Jahr zu Jahr schwoll der Chor jener an, die dem Morden Einhalt gebieten wollen – auch in den Vereinigten Staaten.

Jüngst hat der ehemalige Hauptankläger im Nürnberger Prozeß, Telford Taylor, festgestellt, daß die US-Generäle in Vietnam, würden, sie nach den Rechtsnormen von 1945 behandelt, vor Gericht gehörten. Und nun beschuldigt das neutrale Schweden die Vereinigten Staaten des dreifachen Verstoßes gegen das Völkerrecht. Die Delikte heißen: Luftkrieg, chemisch-biologischer Krieg, "Feuer-frei"-Zonen (das Dorf My Lai lag in einer solchen Zone).

Die Genfer Konventionen von 1949 reichen nicht aus, um die Zivilbevölkerung in einem Partisanenkrieg wie in Indochina zu schützen. Und die weltweite Ächtung von B- und C-Waffen hat weder den Einsatz von Napalm und CS-Gas noch die Vernichtung von Wäldern und Ernten durch Sprühmittel verhindern können. Darum will Schweden im Verein mit dem Internationalen Roten Kreuz für neue Kriegsregeln plädieren.

Auf dem Schlachtfeld von Solferino kam Henri Dunant die Vision des Roten Kreuzes. Aus den Schlachtfeldern in Indochina mag nun ein humaneres Kriegsrecht erstehen. Kj.