Das kambodschanische Militär konnte am letzten Freitag einen kleinen Sieg feiern und mußte am gleichen Tag eine große Niederlage hinnehmen. Der Sieg wurde am Pich-Nil-Paß, rund 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Pnom Penh, errungen. In zehn Tagen konnten 11 000 Kambodschaner, unterstützt von 2500 Südvietnamesen und der amerikanischen Luftwaffe, den Paß zurückerobern. Über ihn führt die lebenswichtige Nationalstraße Nr. 4, die Pnom Penh mit Kompong Som, dem einzigen Tiefwasserhafen, verbindet.

Wenige Stunden nach der Siegesmeldung vernichteten kommunistische Truppen den größten Teil der kambodschanischen Luftwaffe. Stoßtrupps hatten sich zuvor an den etwa 14 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Flugplatz Pochentong herangeschlichen. Mit Raketen und Granaten beschossen sie den militärischen Teil des Hafens. Treibstoff- und Munitionslager explodierten. Nordvietnamesische Pioniere überwältigten die Wachen und sprengten die abgestellten Flugzeuge.

Bei dem Überfall verloren mehr als 100, Menschen das Leben. In den umliegenden Ortschaften brach eine Panik aus. Mit Waffengewalt trieben Polizisten und Soldaten die in die Stadt flüchtende Landbevölkerung zurück. Um die Hauptstadt wurde ein Sperrgürtel gezogen. Trotzdem explodierten am Wochenende mehrere von Vietcongs gelegte Sprengkörper.

Nachdem der Flughafen für den Militärverkehr wieder hergerichtet war, flogen amerikanische Transporter sofort Munition und Material ein. Die Versorgungslage in Pnom Penh bleibt aber kritisch.

Die amerikanische Beteiligung an der Eroberung des Pich-Nil-Passes ist in Washington von Senatoren und Abgeordneten beider Parteien heftig angegriffen worden. Die Kritik richtete sich vor allem gegen Verteidigungsminister Laird, der schon vor dem Debakel in Pnom Penh erklärt hatte, die Vereinigten Staaten würden den Truppen Kambodschas und Südvietnams "unbegrenzte Luftunterstützung" zukommen lassen.

Bei den Kämpfen um den Paß wirkten nicht nur amerikanische Bomber und Erdkampfmaschinen mit. Außerdem wurden Hubschrauber eingesetzt, die Truppen beförderten und mit Maschinengewehren in die Gefechte eingriffen. Amerikanische Militärberater landeten zu kurzen Lagebesprechungen im Kampfgebiet.

Die 64 protestierenden Kongreßmänner – ihre Wortführer sind die Senatoren Ghurch, Cooper, McGovern und Muskie – sehen darii eine Verletzung des Senatsbeschlusses vom 30. Juni 1970, der den Einsatz von Bodentruppen sowie Beratern in Kambodscha verbietet.