DIE ZEIT

Angst macht billig

Das SED-Zentralorgan Neues Deutschland verkündete in der vorigen Woche, jetzt seien die Bedingungen herangereift, um die Beschlüsse des VII.

Schlußverkauf

In einem Seefahrervolk Cook zu heißen, mußte ein gutes Omen für den Gründer eines Reisebüros sein. Thomas Cook, der Abstinenzler und Temperenzler, war mit Captain James Cook, dem kühnen Weltumsegler und Meervermesser nicht verwandt.

Amtsschimmel

Die Amtsräte aus den Kultusbürokratien der Länder wollen den Hochschulen den Weg in die Zukunft verbauen. Wenn den 51 Abänderungsanträgen stattgegeben würde, die sie bei der ersten Beratung von Leussinks Entwurf für ein Hochschulrahmengesetz im Bundesrat stellten, dann lohnte es nicht, auch nur einen einzigen Gedanken noch an dieses Gesetzeswerk zu verschwenden.

Glaubenskrieg in Bonn

Manche Politiker der Regierungsparteien und der Opposition scheinen die Gefahren zu spüren, daß in der Bundesrepublik abermals ein Glaubenskrieg ausbricht – diesmal über die Ostpolitik.

Messer oder Blumen

Dreimal haben sowjetische Führer in den vergangenen zwanzig Jahren den Versuch unternommen, mit der Bundesrepublik ins Reine zu kommen: nach dem Tode Stalins, nach dem Ende der Berliner Krise, nach dem Amtsantritt der Regierung Brandt/Scheel.

ZEITSPIEGEL

„Der konservative Aberglaube, eine Gesellschaft könne entweder demokratisch oder leistungsfähig sein, beruht auf einem unrichtigen Demokratieverständnis und einer in gleicher Weise unrichtigen Identifikation der gesellschaftlichen Leistungsfähigkeit mit einer nichtdemokratischen Ordnung.

Mondfahrt zur Ehre Amerikas?

Am 5. Mai 1961 kannte die Begeisterung der Amerikaner keine Grenzen. Endlich war es auch ihnen gelungen, einen Mann in den Weltraum zu katapultieren.

Wolfgang Ebert:: In der Mitten

Was ist das Mittelmaß?“, fragte ich meinen Freund Heimito, der es kürzlich erfand, nachdem er unserer Demokratie schon durch die Erfindung des Windmessers gute Dienste erwiesen hatte, mit dem Bonner Parlamentarier feststellen können, woher der Fraktionswind weht.

Millionen-Ding

In München sind griechische und jugoslawische Steuer-„Beratungsbüros“ am Werk, die aus den Sprachschwierigkeiten und der Rechtsunkenntnis von Gastarbeitern Profit schlagen.

Druck auf Brandt

Ein Gesetz, das Beamten verbietet zu streiken, gibt es nicht, aber das Verbot ergibt sich aus dem Wesen des Beamtenverhältnisses.

Stickluft der Verschwörungen

Herr Präsident, was halten Sie von den fünfhundert‘ in Indianapolis?“ fragt ein interessierter Autosportfan das amerikanische Staatsoberhaupt bei einem Empfang im Weißen Haus.

"Bis zu den Knöcheln im Sumpf"

Die Indochinapolitik des amerikanischen Präsidenten läßt sich auf eine paradoxe Formel bringen: Der Rückzug aus Vietnam führt über Kambodscha und Laos.

Warum die Reichen reicher werden

Werden der ehemalige Außenminister Bhutto, der Sieger der westpakistanischen Wahl, und Scheich Mujibur, der Held Ostpakistans, über die Grundzüge einer neuen Verfassung einig werden? Wenn es ihnen nicht gelingt, ein gemeinsames Programm zu entwickeln, dann besteht die Gefahr, daß Pakistan auseinanderbricht.

Rom in Richtung Chile

Ist Italien ohne oder zumindest gegen die Kommunisten nicht mehr zu regieren? Sie selbst behaupten es. Erst jüngst rühmte sie ihr Chef Luigi Longo ausgerechnet in der Moskauer Prawda als regierungsfähige Partei, auf die man bei jeder Entscheidung Rücksicht nehmen müsse.

Autobusse statt Kanonen

Der Flughafen der Viermillionenstadt gleicht einem Jahrmarkt. Vor der Halle ist ein riesiges Zelt aufgebaut. Auf den Wegen, in den Wartesälen, vor den Schaltern drängen sich die Menschen in dichten Trauben.

Hochsitz für die Opposition

Die einundvierzig CDU-Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft, des Stadt- und Staatsparlaments, erwartet neue Würde. Sie sollen in den Rang eines korporativen Verfassungsorgans erhoben werden: "Die Opposition", heißt es in einer jüngst vom Ausschuß für Verfassung, Geschäftsordnung und Wahlprüfung beschlossenen Gesetzesinitiative an die Bürgerschaft, "ist ein wesentlicher Bestandteil der parlamentarischen Demokratie.

Die Industrie will nicht

Voriges Jahr erst fiel in Berlin dieser schöne Satz von Sir Paul Reilly, dem Direktor des Londoner Design-Centers: "Ein Design-Zentrum muß sich also von der Konzentration auf einzelne Objekte weiterentwickeln zum Studium sozialer Probleme, es muß fortschreiten von Produkten zu Konzepten, und es muß seine Rolle erweitern: von einem Schaufenster zu einem Laboratorium.

Olympia drückt

Kiel ist im Begriff, seinen Rathausplatz mit einem monströsen Gebilde zu verschandeln. Die Art und Weise, wie die anhaltenden Proteste der Bevölkerung abgewürgt wurden, ist ein Musterbeispiel scheindemokratischer Praxis im kommunalen Bereich.

Rösser ins Exil

In den vergangenen Monaten dürfte nun langsam alle Welt erfahren haben, daß am Ort der nächsten Olympischen Sommerspiele schon heute Rekorde aufgestellt werden: München ist die teuerste deutsche Stadt geworden, und sie verfügt über die schlechteste Luft, die es zwischen Tokio und New York je gab.

1553 Gespräche zwischen Ost und West: Verbindung für drei Minuten

Berlin sitzt am Telephon. Zum erstenmal seit 19 Jahren ist das Telephonieren zwischen Ost- und West-Berlin wieder möglich. Am ersten Tag, an dem die zehn Fernsprechleitungen über Potsdam geschaltet wurden, wurden 724 Gespräche von West nach Ost und 829 Gespräche von Ost nach West vermittelt.

Erbfeinde wurden zu Partnern

Einen „Leitfaden“ nennt der Berliner Professor und Frankreichkenner Gilbert Ziebura dieses Bändchen, das knapp über dieses Vierteljahrhundert informiert, in welchem die „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen – sie währte Dreivierteljahrhundert und drei Kriege lang – zur „exemplarischen“ Partnerschaft umschlug.

Hilfe für Afrikaner?

„Aktion Entwicklungshilfe, Thesen, Informationen, Analysen, Texte, Arbeitsfragen“; hrsg. von Klaus Lewinghausen, Siegfried Baumgartner, Helmut Falkenstörfer; Jugenddienst-Verlag, Haus Altenburg 1970; 225 S.

Land der Landlosen

Detlef Kantowsky: „Dorfentwicklung und Dorfdemokratie in Indien“, in: „Freiburger Studien zur Politik und Gesellschaft überseeischen Länder“; hrsg.

DDR: Preise gesenkt

Die DDR-Führung hat überraschend Preissenkungen für Textilien aus synthetischen Fasern und Haushaltswaren angekündigt. Gleichzeitig verfügte der Ministerrat am Freitag letzter Woche, ab 1.

Weiter Ruhe am Suez?

Mit Spannung wird im Nahen Osten der 5. Februar erwartet, an dem der zweite Waffenstillstand am Suezkanal ausläuft. Israel und Ägypten haben in den letzten Tagen ihre militärischen Vorbereitungen verstärkt.

Bonn protestierte gegen „Blockierung“

Fünf Tage lang haben die DDR-Behörden den Berlin-Verkehr so stark behindert, daß es nach den Worten von Bundespräsident Heinemann „beinahe einer Blockierung“ gleichkam.

Guinea: Kritik aus Afrika

Die westafrikanische Republik Guinea hat die diplomatischen Beziehungen zu Bonn abgebrochen. Radio Conakry teilte dazu vergangene Woche in einer Erklärung mit, die Bundesregierung habe durch ihre „Aktivitäten“ die „Souveränität Guineas“ gröblich verletzt.

Kritik an Vorleistungen

In der Bundestagsdebatte über den „Bericht zur Lage der Nation“ vermied die Opposition trotz heftiger Attacken auf die SPD/FDP-Koalition eine klare Absage an die Ostpolitik der Regierung.

Apollo 14: Von Defekt bedroht

Nach dem Scheitern des Appollo-13-Fluges ist auch die Mission von Apollo 14 durch einen technischen Defekt bedroht. Viermal versuchten die Astronauten Alan Shepard, Stuart Roosa und Edgar Mitchell in der Nacht zum Montag vergeblich, ihr Mutterschiff „Kitty Hawk“ an die Mondfähre „Antares“ zu koppeln.

Dokumente der ZEIT

„Die Vorschläge, die ich heute unterbreite, stellen einen wichtigen Fortschritt bei der Reform der Anstrengungen unserer Nation dar, den Erfordernissen ihrer 206 Millionen Bürger gerecht zu werden.

Landung in Laos

Südvietnamesische Truppen sind zu Wochenbeginn in Südlaos eingefallen. In Saigon wurde bekannt, etwa 5000 Fallschirmjäger seien über Laos abgesprungen, um die Nachschubwege und Depots der Nordvietnamesen zu zerstören.

Bürgerliche oder marxistische Wissenschaft? Die Professoren Wolfgang Abendroth (links) und Ernst Nolte sind die Kontrahenten im Streit um die Habilitationsschriften des Marburger Politologen Reinhard Kühnl Aufnahmen: Wilfried Bauer/Klaus Mehner: Habilitation eines Marxisten

Liegt Moskau in Marburg? Wer in den letzten Wochen den Leserbriefteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung studierte (oder Die Welt, die daraus abschrieb), mochte glauben, die Bundesrepublik sei auf dem besten Wege, eine Volksdemokratie sowjetischer Bauart zu werden.

ZEITMOSAIK

Nachdem das System der Doppel- und Anti-Veranstaltungen sich im Beethoven-Jahr so bewährt hat, werden wir auch das Dürer-Jahr als Konkurrenzunternehmen der Kulturbeflissenen diesseits und jenseits der Mauer erleben dürfen.

Nachzügler der Romantik

Ein kleines Jubiläum ist am 8. Februar fällig, aber keines der deutschen Museen, die alle einmal so stolz darauf waren, Bilder von ihm zu besitzen: Nicht die Neue Pinakothek und nicht die Schackgalerie hatte den 100.

Wenig Lärm um viel

Das Thema von Anpassung und Widerstand gegen die Zwänge eines offen terroristischen oder eines latent autoritären und einengenden Systems hat Volker Schlöndorff bisher in all seinen Filmen beschäftigt, in „Der junge Törless“, „Mord und Totschlag“, „Kohlhaas der Rebell“, „Baal“ und in dem letzten über einen Postraub anno 1821 in Oberhessen, „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“.

Viel Lärm um nichts

An einem Fernsehabend hintereinander zwei Versuche, mit Filmen Bewußtsein zu machen, dem Sozialismus per Massenmedium auf die Beine zu helfen – erst Schlöndorff und dann Straub; was jenem an Vorauspublizität fehlte, hatte dieser, auch in der ZEIT, wo Enno Patalas Straub feierte und Wolf Donner den Kopf wiegte.

Offene Parteilichkeit

Die Frage nach den Funktionen bildender Kunst in unserer Gesellschaft wird seit geraumer Zeit diskutiert, in Kunstzeitschriften und in den Feuilletons der Zeitungen, in den Berufsverbänden der bildenden Künstler und an den Kunsthochschulen.

Kunstkalender

Daß Alex Katz auch nicht schlechter ist als Dutzende New Yorker Figuren- und Porträtmaler, ist noch kein Grund, ihn nach Deutschland zu bringen.

Klassikerausgaben – kritisch betrachtet: Alles in Bewegung

Darf Pierre Carlet, der sich de Marivaux nannte und der, obzwar Zeitgenosse der Aufklärer, ihrem Geist eher fern stand, ein Klassiker genannt werden? Die Franzosen besitzen neben Molière drei große Bühnenautoren, deren sie nicht müde werden, die jedoch außerhalb Frankreichs kaum je gespielt werden: Racine (1639–1699), Marivaux (1688–1763), Musset (1810 – 1857).

Marivaux

„Leben und Werk des Pierre Chamblain de Marivaux“, mit den Komödien „Unbeständigkeit auf beiden Seiten“, „Das Spiel von Zufall und Liebe“, „Die Ehesüchtigen“, herausgegeben von Gilbert Schricke und Peter Lotschak; Karl Rauch Verlag, Düsseldorf; 281 S.

KRITIK IN KÜRZE

„Aggression und menschliche Natur“, von Josef Rattner. Der Autor vertritt (gegen Konrad Lorenz und gegen die dualistische Triebtheorie orthodoxer Freudianer) die Thesen, daß destruktive Aggression nicht auf einen ursprünglichen Aggressionstrieb zurückgeführt werden kann, sondern die Folge einer Deformation der sozialen Natur des Menschen durch Umwelteinflüsse, vor allem durch die Erziehung ist, also nach einer gesellschaftlichen und nicht nach einer biologischen Erklärung verlangt.

Unser Seller-Teller Januar 1971

DDR: „Erkundungen“; Dumas „Die drei Musketiere“; Engels, „Eine Biographie“; Lehmann, „Der Rechenstab und seine Anwendung“; Neukirchen, „Seefahrt gestern und heute“ (laut Literaturbeilage des Neuen Deutschland 1/71).

Der Gegenwart mitten ins Herz

Die Dichtung der Marie Luise Kaschnitz zeichnet sich durch kammermusikalische Intimität aus. Gleichwohl geht von ihr eine geradezu alarmierende Wirkung aus.

ZU EMPFEHLEN

Distanziert und kritisch betrachten die jüngeren Historiker Bismarcks Reich. Wehler legt den Finger auf viele Wunden: Bismarcks Sozialimperialismus, den Wirtschaftskrieg gegen Rußland, die autoritäre Staatsideologie, die Verfemung der Außenseiter unter Deutschlands Historikern.

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