„Ich bin froh, weil es besser gelaufen ist, als ich gedacht hätte“, strahlte Staatssekretär Philip Rosenthal über seinen Erfolg in Sachen Bundesholding. Der Erfolg besteht darin, daß zunächst nichts getan wird. Die Pläne von Finanzminister Alex Möller, die wichtigsten Bundesunternehmen in einer einheitlichen Bundesholding zuzusammenzufassen, sind erst einmal auf Eis gelegt worden. Rosenthal: „Wir sind durch Überzeugung einheitlich zu folgenden Überlegungen gekommen: Ein Sachverständigengremium mit je einem Unternehmer, einem Gewerkschaftler und einem Bankier soll sich noch einmal gutachtlich mit dem ganzen Komplex beschäftigen. Das ist eine Versachlichung des ganzen Themas.“

Im Finanzministerium ist man darüber allerdings nicht sehr glücklich, weil nun alle dank Schillers Einspruch wieder am ursprünglichen Ausgangspunkt angelangt seien. Ein hoher Beamter: „Wenn ich Möller wäre, dann würde ich dem Bundeskanzler, einen Brief schreiben und ihn bitten, den ganzen Krempel doch gleich Schiller vor die Füße zu werfen. Soll er doch sehen, wie er damit fertig wird.“

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Nach dem CDU-Programmparteitag in Düsseldorf steuerte der SPD-Abgeordnete Harry Tallert eine neue Frage an Radio Eriwan bei: Braucht die CDU ein neues Programm? Antwort: Im Prinzip ja, aber will sie denn überbauet eins? Daß sie keins will, befürchtet wohl auch der CDU-Abgeordnete Elmar Pieroth. Nachdem sich der Parteitag (Spötter erfanden nachträglich das Kennzeichen k k k = Kohl kein Kanzler) in der Mitbestimmungdebatte für den Vorschlag der hessischen CDU (sieben Anteilseigner und fünf Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat) entschieden hat, erklärte Pieroth resigniert: „Das hat uns. um Monate, vielleicht um Jahre zurückgeworfen.“ Die Rede, die Pieroths Parteifreund Alfred Dregger gegen den Entwurf der Sozialausschüsse gehalten hat, kommentierte der arbeitnehmerfreundliche CDU-Unternehmer und Vermögenspolitiker Pieroth: „Das war nicht gerade fein. Jetzt haben wir auch in der Mitbestimmungsfrage eine Polarisierung wie in der Ostpolitik.“

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Der Iran will mit der Bundesrepublik künftig enger im Bereich der Ölversorgung zusammenarbeiten. Nach Bonner Gerüchten möchte sich die nationale Ölgesellschaft des Iran sogar an einer deutschen Gesellschaft beteiligen. Im Bonner Wirtschaftsministerium ist „davon nichts jekannt“. Allerdings wird zugegeben, daß in den letzten Wochen „über viele Pläne und Ideen“ gesprochen würde. Bei den deutschen Ölgesellschaften – zumindest bei Wintershall und Gelsenberg – wußte man sich ebenfalls keinen Vers auf die Beteiligungsgerüchte zu machen. Bei der Düsseldorfer Deminex, der Gemeinschaftsfirma, an der alle rein deutschen Mineralölgesellschaften beteiligt sind, spricht man undeutlich von „Möglichkeiten zur Vertiefung der deutsch-iranischen Kooperation“. Näher wollte sich Deminex-Vorsitzender Herbert Loegters aber nicht äußern: „Es ist nicht gut, das schon auf die Straße zu tragen.“

Umfunktioniert zum Sonderbotschafter in Sachen Deutschlandpolitik wurde Entwicklungsminister Erhard Epplers beamteter Staatssekretär Professor Karl-Heinz Sohn, der vergangene Woche nach Chile reiste. In Gesprächen mit Präsident Salvadore Allende und Außenminister Clodomiro Almeyda sollte er versuchen, die noch junge Volksfrontregierung vom Pfad der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen mit Ostberlin abzulenken. In Sohns Gepäck befand sich ein Brief des AA-Staatssekretärs Sigismund von Braun mit Tips, wie die Aktivitäten der Verantwortlichen in Santiago zu. bremsen seien. Offiziell betrieb Sohn in Chile entwicklungs- und wirtschaftspolitische Erkundung. Epplers Pressereferent Peter Röhrig vorsichtig: „Es ist nicht auszuschließen, daß auch über das DDR-Problem gesprochen wird.“ Oppositionspolitiker Walther Leisler Kiep: „Die Bundesregierung sagt zwar, die Hallstein-Doktrin sei tot, macht jetzt aber auf die etwas feinere Tour der Scheel-Doktrin weiter, die unsere Entwicklungshilfe vom innerdeutschen Fortschritt abhängig macht.“