DIE ZEIT

Was führt Moskau im Schilde?

Die Überraschung über die Kritik eines Sowjet-Diplomaten in den USA an der Ostpolitik des Kanzlers ist Anfang der Woche, nach einem Dementi der sowjetischen Botschaft in Bonn, in Verwunderung umgeschlagen.

Wenn Amerika Asien räumt

Wie provinziell unser Denken und Diskutieren geworden ist! Wer in Asien gesehen hat, welche gewaltigen Wandlungen in der Welt vor sich gehen, der ist verblüfft, nach fünf Wochen Abwesenheit festzustellen, daß in der Bundesrepublik noch immer die gleichen Themen die Diskussion beherrschen: Haben Brandt, Scheel, Bahr deutsche Rechtspositionen verschenkt? Hätten Kiesinger, Strauß, Barzel sie dem Vaterland erhalten können? Wer hat Illusionen, die Linken mit ihrer Ostpolitik – die Rechten mit ihrem Status-quo-Denken und so weiter, und so weiter.

Das Ja-Wort

Mit Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, dem Jemen und Liechtenstein gehörte die Schweiz bis zum letzten Sonntag zu den Ländern, in denen Frauen das Stimm- und Wahlrecht vorenthalten wurde.

EWG-Brise

Nach dem Kollaps im Dezember ist es dem EWG-Ministerrat am Dienstag dieser Woche nun doch noch gelungen, die Sechser-Gemeinschaft zur Wirtschafts- und Währungsunion weiterzuentwickeln.

Gefahr im Dschungel

Als Akt der Selbstverteidigung rechtfertigen Washington und Saigon die Invasion in Laos. Der Angriff folgte logisch aus dem Abenteuer in Kambodscha.

Sprecher für Küchenfeen und Physiker

Der Lufthansa-Streik hat Heinz Kluncker nicht beliebter gemacht. 79 Prozent der Bundesbürger, so ermittelten die Wickert-Institute, lehnten den Ausstand des Bodenpersonals ab.

ZEITSPIEGEL

Ist der Sohn des Zaren noch am Leben? Der amerikanische Schriftsteller Guy Richards behauptet, der Zarewitsch wohne unter dem Namen Michal Goleniewski in New York.

Von der „Mondsucht“ befreit?

Als sich Alan Shepard und Edgar Mitchell mit ihrem zweirädrigen Handkarren mühsam auf dem steilen Anstieg zum Rande des Mondkraters Cone vorarbeiteten, entfuhr ihnen manches erbitterte „Donnerwetter“ und „verdammter Mist“.

Ansätze zum Kompromiß

Was reden sie von Institutionen, da redet keiner drüber." So soll der Vorsitzende des DDR-Ministerrates, Willi Stoph, dem Vorsitzenden der Sozialistischen Einheitspartei West-Berlins (SEW), Gerhard Danelius, geantwortet haben, als sich beide in der vorigen Woche in Ost-Berlin über West-Berlin unterhielten.

Hartgesotten – liebenswürdig

Semjon Zarapkin, der seit dem Sommer 1966 als sowjetischer Botschafter in Bonn amtiert, verläßt jetzt die Stadt am Rhein, in der er auf vielfältige Weise wirkte.

Das Offizium ist tot

Das Heilige Offizium, welches 1542 das Erbe der Inquisition übernahm, um die katholische Kirche gegen Häresien zu verteidigen, und das 1965 von Papst Paul VI.

Selbstmord auf Raten

Es ist kein Paradox mehr, daß Parteien an ihrer Jugend leiden. Die Freien Demokraten in Schleswig-Holstein sind in Gefahr, daran zugrunde zu gehen – jedenfalls als relevante Größe im politischen Kräftespiel des Landes.

Wolf gang Ebert:: Wettabrüsten

Die Russen haben dem amerikanischen Rüstungspotential einen schweren Schlag versetzt und besonders im Pentagon Verwüstungen angerichtet, ohne eine einzige Rakete abzufeuern.

Nationales Unglück

Daß ein Rolls-Royce ein Statussymbol sei, behaupten meist nur diejenigen, denen er zu teuer ist. Wer einen „Silver Shadow“ besitzt, schätzt ihn in erster Linie als Auto.

Ägyptens Arsenal

Seit Beginn der Feuerpause im August des vergangenen Jahres hat Ägypten seine Positionen am Suezkanal in großem Umfang ausgebaut.

Späte Rache für Faschoda

Eine starke Gruppe von Afrikanern stand im vergangenen November auf dem Friedhof von Colombey-les-deux-Eglises am Grabe de Gaulles.

Verschobenes Statut

Das sagen zwar nicht alle, aber denken doch sehr viele der über 250 Redakteure und redaktionellen Mitarbeiter, die in Deutschlands größter Regionalzeitung – Auflage am Wochenende über 600 000 – vom Rhein bis Unna, von Recklinghausen bis Velbert schreiben.

War es wirklich Notwehr?

Die Sache ist schlimmer als der Fall, heißt es in der Berliner Innenverwaltung, und sie ist es auch: der 38jährige Polizeiobermeister Horst Salzwedel ist unter dem Verdacht des Totschlags an einem Autodieb verhaftet worden.

Auf- oder Abstieg für Peter Boenisch?: "Man kann nicht immer siegen"

In seinem Arbeitszimmer im sechsten Stock des Hamburger Springer-Hochhauses steht immer noch die langstielige, rote Rose auf dem Schreibtisch, ein geleertes Weinglas und die Porträts von Axel Springer (beim Golfspielen), von John Kennedy (beim Händedruck mit Peter Boenisch) und von Konrad Adenauer.

Der Chronist von Bonn

Walter Henkels, nach einem Wort des Bundespräsidenten Heinemann auch „der bekannte Bonner Heimatdichter“ genannt, ist 65 Jahre alt geworden.

Olympia-Norm: Waldi nach Maß

Auf der 22. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg ist er soeben zum erstenmal öffentlich und sofort korrekt aufgetreten; seine Konstruktion entsprach den technischen Zeichnungen seiner Kreatoren: der „Olympia Waldi“.

Träumer nach vorwärts

Die kleinliche Beckmesserei eines Rezensenten* hat das Buch ins Gespräch gebracht. Über seinen Inhalt wußte er freilich nichts zu sagen, und der allein zählt.

Hitlers Doppelspiel im abessinischen Krieg: Kanonen für den Negus

Wieder einmal müssen die Zeitgeschichtsbücher korrigiert werden: Bislang gehörte es zu den kaum bezweifelten Ergebnissen historischer Forschung, das Bündnis der faschistischen Diktatoren Hitler und Mussolini, die sogenannte „Achse“ Berlin–Rom, sei während des italienisch-abessinischen Krieges 1935/36 entstanden.

Polen: Gomulkas Ende

Das Plenum des Zentralkomitees der polnischen Kommunisten, das am Wochenende tagte, endete mit einem klaren Erfolg für den Parteichef Ecward Gierek.

Apollo 14: Mondflug beendet

Apollo 14 ist unversehrt zurückgekehrt. Mit einer Präzisionslandung in der Nähe der vor Samoa wartenden Bergungsflotte beendeten die drei Astronauten Alan Shepard, Stuart Roosa und Edgar Mitchell ihren neuntägigen Raumflug.

Neue Kämpfe in Nordirland aufgeflammt

Die Lage in Nordirland hat sich erneut zugespitzt. Am letzten Wochenende flammten in der nordirischen Hauptstadt Belfast heftige Kämpfe zwischen der britischen Armee und der katholischen Minderheit auf.

Schweiz: Die Frauen wählen

Im zweiten Versuch haben die Schweizerinnen am Wochenende erreicht, was ihnen bisher verwehrt wurde: Mit 621 403 gegen 323 596 Stimmen billigten ihnen die Schweizer Männer das Stimm- und Wahlrecht auf Bundesebene zu.

Moskauer Verwirrspiel

Auch das 14. Berlin-Gespräch der Siegermächte brachte am vergangenen Montag kein sichtbares Ergebnis. Während des knapp dreistündigen Treffens, bei dem nach sowjetischen Angaben eine „gute Atmosphäre“ geherrscht hat, wurde ein Experten-Papier zur gegenwärtigen Lage der Dinge behandelt.

Waffenruhe verlängert

Ägypten hat zugestimmt, daß die Waffenruhe am Suezkanal um weitere 30 Tage bis zum 7. März verlängert wird. Vor der Nationalversammlung verlangte Staatspräsident Sadat, Israel müsse in dieser Zeit einen Teil seiner Kräfte aus den besetzten Gebieten abziehen.

Dokumente der ZEIT

Erste Frage: Kann Entspannung durch widerrechtliche Handlungen, also durch Unrecht erreicht werden? Nur absolute politische Dummköpfe könnten dies bejahen.

Rektoren rufen zur Reform

Das Hochschulrahmengesetz hat mit vielen anderen Gesetzen den wenig attraktiven Titel gemeinsam. Der verkauft sich schlecht.

Die glatte Welt des ZDF

Intendant Holzamer wird wiedergewählt – vielleicht weil sein Nachfolger bereits gewählt ist?

Die Grenzen liberaler Relevanz

Rolf Düspohl, der hier in unserer Liberalismusdiskussion auf den Essay „Die Grenzen liberaler Toleranz“ von Jean Améry, erschienen in der ZEIT Nummer 4/1971, antwortet, studierte Politikwissenschaft in Berlin, arbeitet zur Zeit als Wissenschaftlicher Referent bei der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bad Godesberg, promovierte über „Das Verhältnis von Theorie und Praxis der revolutionären Opposition“ und versteht sich selber als Linksliberaler.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger : Lyrik im Schneesturm

Die Vorgeschichte wäre eine Schnulze, wenn sich nicht ein symptomatisches Phänomen dahinter verbärge. In der Septembernummer der literarischen Monatszeitschrift „Junostj“ (Jugend), die mit zwei Millionen Exemplaren nun schon seit Jahren die Spitze der belletristischen Periodika in der Sowjetunion hält, erschien der erste Teil von Andrej Wosnessenskijs lyrischem Triptychon „Eis-69“.

ZEITMOSAIK

In soziologischen und politischen Erwägungen wird oft der Alkohol-Konsum in verschiedenen Ländern (oder auch „Gesellschaften“) als Argument angeführt, der ja in der Tat einen gewissen Aussagewert hat – welcher übrigens um so größer ist, je richtiger die Zahlen sind.

Jammer als ästhetischer Genuß

Eben hatte der Clown "Ich bin ein Klohn" gesagt und "Du bist auch ein Klohn" und "Ganze Welt ist voll Klohns", als ein Beweisstück für diese Behauptung den Hotelsalon durchmaß, eine dralle Frau in einer clownsbunten Patchworkbluse aus Samt.

Kunstkalender

Die Schweiz hat Richard Paul Lohse, der zur Gruppe der „Zürcher Konkreten“ gehörte, auf der Biennale 1968 als repräsentativ für den Konstruktivismus herausgestellt.

Karl ist kein Adam

Thalias Premierenpublikum war begeistert: schon als sich ein auf Planken gemaltes Dörfchen öffnete, um die Stube von Dorfrichter Adam (Bühnenbild: Toni Businger) in ihrer detailverliebten Schmuddelwirtschaft den Blicken freizugeben, prasselte der Szenenapplaus.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Was diese Musik zweier Barockkomponisten, deren einer (Johann Heinrich Schmelzer) kaum, deren anderer (Johann Joseph Fux) nur wenigen bekannt ist, dennoch so ungemein hörenswert macht, ist die Eigenart der Aufführung.

Credo zur Reform

Die Rolle der Westdeutschen Rektorenkonferenz, dargestellt von ihrem Präsidenten Hans Rumpf

VON ZEIT-MITARBEITERN

Peter Demetz: „Die süße Anarchie“ – Deutsche Literatur seit 1945, eine kritische Einführung. Peter Demetz, 1922 in Prag geboren, Verfasser unter anderem eines Buches über „Marx, Engels und die Dichter“ und einer Fontane-Studie, ist Professor für germanische Sprachen an der Yale-Universität in New Haven, Connecticut; und für amerikanische Studenten wurde dieses Buch ursprünglich geschrieben.

KRITIK IN KÜRZE

„Sturmjahre“, Roman von Cameron Hawley. Dem Mann, von der Emanzipation mehr in die Enge getrieben denn je, bleibt nach Ansicht des Autors nichts weiter übrig, als nach den seit Jahrtausenden erprobten Waffen der Frau zu greifen und zum Beispiel die Eitelkeit geschickt im Kampf um die Symbole des Erfolgs einzusetzen.

Auf schmalem Grat

Seine Gedichte sind eine Art Gedankenlyrik; im Ton oft an Erich Kästner, in den Themen jedoch häufiger an Goethe erinnernd; Gedichte eines poeta doctus, dem das humanistische Bildungsgut leicht durch die Hand läuft und der ohne Prätention im gleichen Zug etwa von der Pille redet; Gedankenlyrik, streng und ohne Ausnahme gereimt, und zwar raffiniert gereimt, manchmal so abenteuerlich (zum Gespött in / Göttin; Gemüt / pommes frites), wie es sich sonst einer nur aus Jux oder beim Parodieren gestattet.

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