DIE ZEIT

Bonnie und Clyde in Bonn?

Noch ist München nicht Montreal und, Berlin nicht Montevideo. Noch wirkt es leicht übertrieben, wenn ein ins Gangstertum abgerutschter Revoluzzertrupp zum Staatsfeind Nr.

Zwischen allen Stühlen

In diesen Tagen ist es 25 Jahre her, seit die erste Nummer der ZEIT erschien. "Wie eine Mauer von Finsternis und Verzweiflung steht die Zukunft vor uns .

Rennen der Raketen

Können zwei Staaten ihre Gegensätze nicht überwinden, so produziert die Diplomatie am Ende, um nicht alle Fäden abreißen zu lassen, ein Kulturabkommen.

ZEITSPIEGEL

„Es gibt wenige Dinge, die den Bayern mehr Freude bereiten als eine große Platte mit Schweinebraten und gekochten Kartoffelbällen; dann trinkt man Gerstensaft, und zwar sehr schnell.

Zwei Prinzen, zwei Bauern

Es war einmal ein Vizekönig, der hatte zwanzig Söhne. Sie wuchsen auf in der Stadt des Goldenen Buddha, die weit hinter Indien und China liegt, im Lande der Millionen Elefanten und des weißen Sonnenschirms.

Kreml am Kreuzweg

Eine Reihe von Ereignissen der letzten zwei Monate deutet auf eine im Westen wenig beachtete Gefahr hin, die den Erfolg der mit den Verträgen von Moskau und Warschau eingeleiteten Ostpolitik der Bundesregierung bedroht.

Die Scheelewiken

Die Polarisierung zwischen den Fraktionen der „Scheelewiken“ und der „Barzlewiken“, wie man sie im Moskauer Slang nennt, verschärft sich in der Sowjetunion zusehends.

Das Marathon in Bonn

Der Bundestag hat in den letzten Wochen ein Rede-Marathon hinter sich gebracht: An zehn Sitzungstagen diskutierte das Parlament von morgens früh bis abends spät den Bericht zur Lage der Nation, die Wirtschaftslage, die Mitbestimmung und allein sechs Tage lang den Bundeshaushalt.

Hoffen auf den Staatsanwalt

Ein Gespenst geht um in der SPD; es trägt denNamen „Liberalisierung“. Wo immer dieser Name fällt, packt wackere Sozialdemokraten das Schaudern, und sie gedenken in stillem Zorn ihres Justizministers, der ihnen einen Gesetzentwurf zur Pornographie und Pläne für ein neues Scheidungsrecht beschert hat – Reformen, die ihnen jetzt von ihren Wählern voll sittlicher Entrüstung um die Ohren geschlagen werden.

Rebellen gegen Pompidou

Der Protestschritt, mit dem die gaullistische Parlamentsfraktion zwei ihrer „alten Soldaten“ verlor, Christian Fouchet und Jacques Vendroux, gleicht einem Wetterleuchten.

Mißbrauchte Macht

Der stern, so schrieb Manfred Bissinger, leitender politischer Redakteur des Hamburger Magazins, im Dezember letzten Jahres an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn, „kann seine Aufgabe nicht darin sehen, Intendanten zu ‚machen‘ oder zu verhindern’“.

Abschied vom alten Penny

London Bridge und Fahrenheit, Todesstrafe, old Scotland Yard und die Nationalhymne am Ende des abendlichen BBC-Fernsehprogrammes – lauter liebgewordene Bestandteile des britischen way of life, die in den letzten Jahren abhanden kamen.

Alle wollen modern sein

Es wird spannend in West-Berlin. Verliert die SPD bei den bevorstehenden Wahlen die absolute Mehrheit, die sie seit 1958 hat? Zieht vielleicht gar die SEW, der West-Berliner Ableger der Sozialistischen Einheitspartei, ins Abgeordnetenhaus? Mit massiertem Einsatz ihrer Bonner Prominenz versuchen die Parteien, die Berliner zu überzeugen.

Existenzkampf

Im Fußball, sagt der sachverständige Volksmund, ist kein Ding unmöglich. Und Fritz Walter pflegte, das Problem in seiner ganzen Tiefe auslotend hinzuzufügen: „Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert neunzig Minuten.

Politische Brotzeit

In der hanseatischen Gemütlichkeit des Hamburger Ratsweinkellers nahm sich der Superbayer etwas exotisch aus. Aber die bayerische Brotzeit, die gereicht wurde, erleichterte Franz Josef Strauß die Akklimatisierung.

Das TEE-Unglück von Aitrang: Hat er gebremst?

Um 18.44 Uhr war es bereits dunkel. Bei leichtem Nebel konnte man am Dienstag letzter Woche die Signallichter bei Aitrang, an der Strecke München–Lindau, noch gut erkennen.

Briefe aus dem Gefängnis

Für die in Leningrad verurteilten Flugzeugentführer setzte sich alle Welt ein; für die Angeklagten von Burgos (oder galt es mehr dem deutschen Wahlkonsul?) wurden diplomatische Schritte unternommen – für die farbige Revolutionärin Angela Davis, deren Prozeß Anfang März in Kalifornien beginnt, setzen sich nur Minderheitsgruppen ein: ihr „Fall“ tritt mehr und mehr in den Hintergrund.

Was wollen die Anarchisten?

Der Ostberliner Philosoph Wolfgang Harich hat jüngst die Neoanarchisten aufgefordert, sie sollten sich mit den Kommunisten auf der Basis des Rätegedankens vereinen.

Nahost: Kairo stimmt zu

Ägypten hat sich bereit erklärt, auf die Friedensvorschläge des UN-Vermittlers Jarring einzugehen. Wie am Montag in Kairo während des Besuchs des jugoslawischen Staatspräsidenten Tito bekannt wurde, ist die Antwort „positiv“ ausgefallen.

Moskau: Kein Kurswechsel

Die Sowjetunion und Polen bemühen sich weiterhin, ihr Interesse an einer Ratifizierung des Moskauer und Warschauer Vertrages deutlich zu machen.

Dokumente der ZEIT

„Teilweiser Rückzug heißt (für Israel) Rückzug bis zu einer Linie hinter El Arisch ... In diesem Fall würde ich die Öffnung des Kanals innerhalb von sechs Monaten für die internationale Schiffahrt garantieren.

Italien: Unruhen in Reggio

In der süditalienischen Stadt Reggio di Calabria dauern die Demonstrationen an. Ein von Ministerpräsident Colombo empfohlener Kompromiß stieß in Reggio auf heftigen Widerstand: Catanzaro soll danach Sitz der Regionalregierung werden, das Regionalparlament jedoch in Reggio tagen.

Neuer Streik in Polen

In Polen wurde erneut gestreikt. In Lodz, der zweitgrößten Stadt des Landes und Zentrum der polnischen Textilindustrie, traten am Freitag die Arbeiter mehrerer Fabriken in den Ausstand, um ihre Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen zu unterstreichen.

Die Streiks in den Ausländer-Kollegs

Die Hörer des Kölner Studienkollegs streiken seit dem 22. Januar. Sie sind Studienanfänger aus dem Ausland, denen die Teilnahme an der Immatrikulationsprüfung nur gestattet wird, wenn sie ein Vorbereitungsjahr in dem einer Oberschule ähnlichen Studienkolleg absolviert haben.

Ausländer dritter Klasse

Hätte der junge Mann aus Teheran geahnt, was ihm in Köln bevorstand, er hätte gewiß nicht jahrelang Deutsch gepaukt, um nach dem Abitur an einer bundesdeutschen Hochschule Medizin studieren zu können.

Bestbestseller

Als ein paar finanzstarke Verleger vor Jahren merkten, daß aus ausländischen Bestsellern auch bei uns einiges zu machen ist, begannen sie sich beim Erwerb der Rechte zu überbieten; der Run auf die Lizenzen trieb die Vorschüsse in die Höhe, auf Grund irgendeines Tips übertrumpfte man sich selbst bei ungelesenen Manuskripten.

Unsere Sprache:: Gunstgewerbler

Die Sache ist ungeheuer komisch, so komisch, daß sie die Kommentatoren unterschiedlichster Provenienz zu humoristischen Höchstleistungen beflügelte, wie man sie nicht alle Tage in deutschen Zeitungen findet.

Das Dickicht um Brecht

An der jüngsten Premiere des BE, dem „Dickicht der Städte“, ließen sich die Anzeichen der Krise ebenso ablesen wie die Anstrengungen zu ihrer Überwindung.

ZEITMOSAIK

Nicht mehr und nicht weniger als 500 000 Mark sollte die Albrecht-Dürer-Jubiläums-Festinszenierung der „Meistersinger“ in Nürnberg kosten, und dafür hätte man ein Originalkonzept von Regisseur August Everding und Bühnenbildner Josef Svoboda bekommen.

Kunstkalender

Günter Busch präsentiert diesmal nur die Zeichnungen, das plastische Werk will er später ausstellen. 100 Blätter aus den Jahren 1945 bis 1968, die Seitz wichtig waren, die er für den Band „Bildhauerzeichnungen“ bestimmt hatte, der 1970, ein Jahr nach seinem Tod, erschienen ist.

Der Dadasoph der Dadaisten

Der Holzkopf, den Raoul Hausmann 1918 mit Utensilien des Ordnung setzenden Geistes bestückte und dem er den Titel „Mechanischer Kopf“ beziehungsweise „L’Esprit de notre temps“ gab, steht – obgleich immer wieder abgebildet und dadurch berühmt geworden – in keinem Kunstarsenal der Welt.

Revolution auf Papier

Karl Marx und Friedrich Engels kamen am Anfang ihres Kommunistischen Manifests hoch mit einem Erdteil aus: „Ein Gespenst geht um in Europa.

Schostakowitschs XIV.

Zwar enthält eine Schallplattenkassette „Electronic Panorama“ neben experimentellen Arbeiten aus den Niederlanden, aus Frankreich und Japan auch polnische Kompositionen; zwar ist der Pole Penderecki neben Henze – und mittlerweile wohl auch Ligeti – zu einem der wenigen Komponisten geworden, die als Neuerer weltweit von einem breiteren Konzertpublikum akzeptiert werden; aber schon im Werk Pendereckis, der immerhin seit Jahren in Westeuropa lebt, zeigt sich etwas für östliche musica nova Typisches: Penderecki findet kaum experimentierend zu neuen musikalischen Mitteln und Kategorien, sondern er bedient sich geschickt – man denke an die Lukas-Passion – schon entwickelter musikalischer Materialien und komponiert sie, stellt sie zu effektvollen eigenen Komplexen zusammen.

Museum mobile

Längst ist die vielzitierte Krise des Museums zu einem ihrer unentbehrlichen Bestandteile geworden: In den Museumsräumen wird sie ausgestellt, und die Museumsdirektoren rufen auf zum Sturm gegen ihre eigenen Häuser (um dann, das soll vorkommen, anderntags den Posten des Museumsdirektors in der nächstgrößeren Stadt anzunehmen).

Die Romane und die Wirtschaft

Keine Frage mehr, daß wir uns über das Miteinander sozialer Verhältnisse und intellektueller Entwicklungen Klarheit schaffen sollten; schwieriger schon zu unterscheiden, wie das zu tun ist.

KRITIK IN KÜRZE

„Drei“, Anatomie einer Liebesgeschichte, von Kay Hoff. Eine alltägliche Story: Ehefrau verläßt Ehemann für eine Woche und kehrt zurück.

Glückliches Schreiben

Im Jahre 1923 starb Katherine Mansfield, vierunddreißig Jahre alt, an Lungentuberkulose. Einige ihrer Kurzgeschichten sind berühmt geblieben, böse, sanfte, anmutige, zuweilen auch gezierte, mitleidige und manchmal wehleidige und dabei nicht unwitzige Stücke.

Den Rest vernichtet die Spitzhacke

Unversehens wird ein Buch aktuell, das sich mit alten Häusern abgibt. Viele dieser "Frankfurter Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts", von denen das Buch von Günther Vogt und Paul Wolff handelt, haben im Zweiten Weltkrieg dran glauben müssen.

Die Ballade vom Wucher

Dieser Film über den wehrlosen Mieter (Buch: Walschus, Kamera: Feichtner) ist in dreierlei Hinsicht zu rühmen. Zunächst wegen des Spannungsverhältnisses von optischer Dramatik und verbaler Nüchternheit: Hier Rattenwinkel und Speisekammer-Schlafstellen, unverputzte Außentoiletten und Küchen, für die der Vermieter eine Summe von zweihundert Mark verlangt (zehn Mark kostet im Monat ein Riegel vor dem Verschlag: so in Hannover), hier die Bilder der Opfer (Hab achtunddreißig Jahre da gewohnt, und nun schmeißt er mich raus.

Fernsehen: Pferde-Oper

Galgenvögel fallen ins „Big Valley“ ein. Man brandschatzt im paradiesischen Tal. Der Rancher ruft seine erzengelhaften Söhne zu Hilfe.

FILMTIPS

David Wark Griffith (1875–1948): Sein Gesamtwerk wird auf den Darmstädter Filmtagen vom 19. bis zum 21. Februar gezeigt. „Auch Zwerge haben klein angefangen“, von Werner Herzog.

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